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gs:o:1952

1952- Meisterschaften in den Sportvereinigungen

Das größte Sportereignis für das Jahr waren die Olympischen Spiele in Helsinki. Die Verhandlungen zwischen den beiden Nationalen Olympischen Komitees führte aber zu keinem Ergebnis, welches die Teilnahme der Sportler aus der DDR gleichberechtigt ermöglicht hätte. Dafür erhielten die Boxsportler der DDR die Möglichkeit, beim Sieben –Länder- Turnier im Mai in Moskau zu starten. Das waren alles Mannschaftskämpfe. Der junge Staffel der DDR gelang nur ein Sieg gegen die Boxer Rumäniens, denn die Anforderungen an alle Aktiven mit sechs Kämpfen in sieben Tagen waren sehr hoch.

Auf dieser Veranstaltung lernten die Aktiven und die Verbandsleitung die offene Wertung beim Boxen kennen und beschlossen, diese auch bei den weiteren Boxkämpfen in der DDR anzuwenden. In diesem Jahr traten viele Probleme im Boxsport auf. So verfügten nicht mehr alle Boxstaffeln über die notwendige Besetzung. Es fehlen vor allen in den unteren und oberen Gewichtsklassen die Kämpfer. Werden bei Vergleichen dann Nachwuchsleute eingesetzt, fehlt in den Kämpfen die Spannung und die Zuschauer bleiben weg. Der Nachwuchs fehlte und Boxen unter 14 Jahren war nicht gestattet.

Der erste Sportärztetag der Sektion Boxen unter der Leitung von Prof. Klose beschäftigt sich mit Fragen der Sicherheit beim Boxsport. Für Wettkämpfer gab es nach einem k.o. eine Wettkampfsperre von vier Wochen. Es erschien ein Merkblatt für Ringärzte, denn nicht immer waren es die sporterfahrenen Ärzte, die als Ringärzte fungierten. Aber gut ausgebildete Ringärzte wurden gebraucht, denn die Wettkämpfer, die gegeneinander antraten, waren sowohl jung und unerfahren oder aber standen bereits seit Jahrzehnten im Ring.

In der Aprilzeitung des Illustrierten Boxring finden wir aber zwei Hinweise, die auch nach Jahren noch des Aufhebens wert sind. Es wird von einer Boxhose, der neusten Erfindung berichtet, die bei einem Schlag auf die Gürtellinie eine Lampe aufleuchten lässt und bei einem Tiefschlag mit einem Klingelzeichen reagiert. Das waren, neben dem Boxer der durch einen Schlag auf die Brust gegen die Ringseile fliegt und diese zerreißt, wohl die größten „Knüller“.

Da das Boxen als Sportart immer eine gewisse Anziehungskraft ausstrahlt, beschlossen die Pressevertreter der Berliner Boxjournalisten eine eigene Boxsparte zu gründen, die auch gleich alle Gewichtsklassen besetzen wollten. Folgende Namen wurden veröffentlicht- Fliegen-Schwergew.- : Bitroff, von der Berliner Zeitung - Thieme,Baier-vom Boxring-,Tietze, Werte, Eppa- von der BZ am Abend, Herb, Kamnitz, Kudella-vom Nacht-Expreß, Meinicke und als Ersatz Freigang vom Boxring. Daneben erfolgten sportartenbezogenen Hinweise, so von F. Thieme im Illustr. Boxring Nr. 35 /1952. Er berichtete:„Von der Kunst des Paarens“.

Das Ministerium für Finanzen gab eine Katalog für die Gestaltung der Eintrittspreise bei Boxveranstaltungen heraus. Sie reichten in der höchsten Preisgruppe – bei internationalen Veranstaltungen - von 4.- DM bis 0,50 DM für Rentner, Kinder und Jugendliche. Diese entsprachen damit der Einkommenssituation.

Doch weitreichende Entscheidungen waren in diesem Jahr gefallen. Der Berufssport erhielt keine Überlebenschance. Die Sportler aber , die in den vergangenen Jahren damit ihr Brot verdient hatten, konnten auf Antrag der Amateurcharakter zuerkannt werden und auch als Trainer arbeiten.

Viele Vergleiche zwischen Westberliner Sportfreunden und Sportfreunden aus dem Berliner Umland fanden in den vergangenen Jahren statt. Umso unverständlicher war der Beschluss des West-Berliner Sportverbandes, die Boxvergleiche mit der DDR einzuschränken 1). Auf der DDR-Seite wurde empfohlen, Kontakte mit Sportlern der BRD zu suchen, auch wenn ein Sieg im Vergleich nicht auszurechnen war. Mit diesem Weg wurde eine neue Linie der Sportführung der DDR sichtbar.

Der Höhepunkt des Boxsports in der DDR war die nationale Einzelmeisterschaft, die vom 20.- 22. Juni vor 6000 Zuschauern in Schwerin stattfand. Die Meisterwürde erkämpften sich ( vom Fliegen- bis Schwergewicht ): Brien (Schwerin), Birka (Calbe), Schmidt (Schwerin), Müller (Halle), Savistowski (Altenberg), Geserich (Berlin), Eike (Schwanebeck), Winneburg (Erfurt), Nitzschke (DHfK Leipzig), Preuß (Berlin).

Würden die ersten drei Plätze immer mit Punkten bewertet, so führte Sachsen-Anhalt vor Thüringen und Berlin, Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen und der SV Vorwärts. Erstmals kam bei diesen Meisterschaften die offene Punktwertung zum Einsatz. Für den Sieger nach jeder Runde leuchtete an der Anzeigetafel eine Lampe auf. Der Sprecher verkündete am Ende des Kampfes die Punktergebnisse und jeder Kampfrichter zeigte am Ende des Wettkampfes eine Fahne für die Ecke, wo jener der Boxer stand, den er für den Sieger hielt.

Die Junioren führten neben den Landes- und SV -Meisterschaften auch Wettkämpfe zur Ermittlung des Besten in der DDR durch. Am 24. August 1952 erkämpften in Görlitz den Meistertitel: Papiergew. A.Meissner (Rosswein), Papiergew. B Tröger (Riesa), Papiergew. C Domstzug (Plagwitz), Papiergew. E Malchow (Schwerin), Fliegengew. Stubbe (Grimmen), Bantamgew. Müller (Halle), Federgew. Montanus (Leipzig), Leichtgew. Olesch (Bernburg), Weltergew. Rogge (Halle), Mittelgew. A Strassenburg (Berlin), Mittelgew. B Sadlowski (Quedlinburg), Halbschwergew. A. Volz (Berlin ), Halbschwergew. B. Venske (Zittau), Schwergewicht Kollende (Berlin).

Einen großen Stellenwert hatten die Meisterschaften der Sportvereinigungen. Alle Sportvereine führten sie durch. Es gab viele und interessante Kämpfe in den Städten der DDR. Die Sportvereinigung Einheit begann ihre Meisterschaften vor 6000 Mitweidaer Zuschauern. Den Meistertitel der Sportvereinigung Einheit 1952 errangen (vom Fliegen-Schwergewicht): Schulz (Sachsen), Küks (Thüringen), Schönbrodt (Sachsen), Hallmann (Mecklenburg), Weiske (Sachsen), Caweitowski (Thüringen), Wunder (Thüringen), Götz (Thüringen), Ahrends (Mecklenbrg), Zscherper (Mecklenburg).

Vom 5. – 7. September trug in Erfurt die Sportvereinigung Empor Meisterschaften aus. Den Titel errangen: (vom Fliegen – Schwergewicht ): Bretzke (Berlin), Sahm (Berlin ), Schumann (Sachsen –Anhalt), Debert (Berlin), Bialek (Berlin), Geserick (Berlin), Schulz (Thüringen), Winneburg (Thüringen), Apel (Berlin), Krüger (Berlin). Die 1200 Besucher der Boxmeisterschaften der SV (Sportvereinigung ) Traktor sahen wohl 80 Aktive in nur 6 Gewichtsklassen. Im gern gesehenen Schwergewicht konnte wegen des Kampfabbruchs kein Meister ermittelt werden. (Fliegen - bis Weltergewicht): Muschkat (Anklam), Altrichter (Halle), Duda (Demin), Ohl (Putbus ), Baumgarten (Bad Düben).

In Aschersleben bewarben sich 152 Teilnehmer um die Meisterschaft der SV Lokomotive. Da dieser Meisterschaft auch für Jugendliche, Junioren und Senioren ausgeschrieben war, erklärt sich die breite Beteiligung. Sieger in der Seniorenklasse wurden (Fliegen- bis Schwergewicht): Moritz, Gerloff, Rogeit, Eichmann, Klahnert, Borowski, Danielczyk, Langner, Steinberg, Schaper.

Unterschwellig wurden immer wieder Diskussionen geführt, in denen behauptet wurde, dass die Schläge an den Kopf das Denkvermögen einschränken, ja dumm machen. Wenn es dem so wäre, müsste aus den damaligen Studenten, die sich an den Box- Meisterschaften der SV Wissenschaft beteiligten, nichts rechtes geworden sein. Doch viele sind heute noch dank ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit bekannt. Die Endkämpfe bestritten: (Sieger zuerst genannt):

Blockes, Berlin		        -		Geist, Freiberg
Girod, Berlin			-		Liedtke, Leipzig
Habrecht, Berlin		-		Helmert, DHfK Leipzig
Quitschau, Berlin		-		Fröleke, Planökon. Berlin
Daberkow, Berlin		-		Korbel, DHfK Leipzig
Schröder, Berlin		-		Arndt, Berlin
Franz, Berlin			-		Räsch, DHfK Leipzig
Pingel, Berlin			-		Schweigel, IfL Leipzig
Götz , Berlin			-		Wedler, Greifswald
Heßler, Halle			-		Aßmann, Berlin

Bedingt durch die vielen Turniere wurde zum Schutz der Aktiven festgelegt, dass sie nur bei Turnieren zwei Starts an einem Tag ableisten dürfen.

Waren die Sportbeziehungen im Verlauf des Jahres zur Bundesrepublik durch die Forderung des DSB zur Einschränkung der Sportvergleiche erkaltet – auch der DABV hatte dagegen protestiert – konnte zum Jahresende eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zum Wohle des Sports für die Zukunft proklamiert werden.

Der DDR Boxsport erreichte unter der Leitung von Präsident G. Voß die erste internationale Anerkennung durch die Aufnahme in die AIBA (2. 08.1952), der Weltföderation des Boxsports. Interne Diskussionen gab es um den Berufssport, der in den vergangen Jahren in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR noch Veranstaltungen durchführte, die aber nicht in die politischen Vorstellungen passten. Die Redaktion des Illustrierten Boxring erstellte ein Manuskript, das in den in den einzelnen Gewichtsklassen Berufssportler nannte, die durch unzureichendes Management aus dem Boxsport ausscheiden mussten. Waren es im Schwergewicht nur 12, so tauchen im Weltergewicht über 60 Namen auf. Viele Boxer glaubten, wie Conny Rux 34.000 oder Hein ten Hoff 90.000 Mark einmal als Börse zu erhalten. Doch für die Kleinen, wie Handke, Obermeyer und Priebe fielen nur Börsen in Höhe von 100 bis 350 Mark ab. Sie alle gingen dem Amateuerboxsport verloren, waren aber nie „geldverdienende“ Profis. Eine positive Wirkung des Berufssports auf den Amateursport war zu diesem Zeitpunkt durch das relativ niedrige Niveau der Berufsboxer kaum gegeben.

Die Boxliteratur erhielt in dieser Zeit eine Erweiterung durch die Übersetzung aus dem Russischen 2)). Hier sind Grundsätze der Ausbildung formuliert, die auch heute noch aktuell sind.


1) vgl.: Illustrierter Boxring Nr. 31/1952
2) Perlemann, Erziehung der Boxanfänger (Sportverlag Berlin 1952
gs/o/1952.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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