Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


gs:a:1942

1942 - Kriegseuropameisterschaften

Der Boxsport startete in Deutschland mit einem Großereignis, den „Kriegseuropameisterschaften“ vom 20. bis 25. Januar 1942 in Breslau. Obwohl sich „12 Nationen“ an den Titelkämpfen beteiligten, war von einer Europameisterschaft doch nicht zu sprechen, denn die Dänen, Italiener, Kroaten, Norweger, Slowaken, Spanier, Schweizer, Ungarn und die Deutschen bildeten nur einen Teil Europas, der unter dem Einfluss der faschistischen Achse stand. Hinzu kamen noch die Boxer aus Schweden, die erst nach dem 8. Januar 1942 ihre Meldung abgaben.

Nach den sportlichen Großereignissen, den Europameisterschaften der vergangenen Jahre, sollten diese Wettkämpfe die Fähigkeit Deutschlands demonstrieren, unter den Bedingungen des Krieges internationale sportliche Veranstaltungen durchzuführen. Um das Teilnehmerfeld aufzufüllen waren zwei Mannschaften je Teilnehmerland zugelassen. Die FIBA, als internationale Boxorganisation, stand unter dem Druck der deutschen, italienischen und spanischen Funktionäre und gab ihren Namen für die Legitimation dieser Wettkämpfe. Der Präsident der FIBA, Herr Söderlund, eröffnete die „Europameisterschaft“. Entsprechend des guten Abschneidens bei den Europameisterschaften der vergangenen Jahre hoffte die deutsche Führung auf gute Leistungen der deutschen Sportler.

In der Endrunde der acht Gewichtsklassen waren von den 16 Teilnehmern sechs Deutsche vertreten. Im Federgewicht unterlag Büttner – Deutschland dem Ungarn Frigyes. Im Weltergewicht siegt Raeschke – Deutschland gegen Szentgyvergy – Ungarn. Im Mittelgewicht erreichte Baumgarten- Deutschland - hinter Noren – Schweden den 2. Platz. Ebenso konnte sich Halbschwergewichtler Profittlich – Deutschland - nicht gegen Christensen- Dänemark durchsetzen. Im Schwergewicht gab es eine rein deutsche Begegnung, denn Gruppe und ten Hoff standen sich gegenüber. Mit einem knappen Punktsieg wurde ten Hoff „Kriegseuropameister“ 1942.

Trotz der Kriegslage wurden für die Bevölkerung und im zunehmenden Maße auch für die Truppenbetreuung Boxveranstaltungen mit staatlicher Unterstützung gefördert. Kampfberichte sind aus vielen Gauen verzeichnet 1). Es kämpften fast nur noch Mannschaften aus Werken, Städten, der Polizei, SA oder SS, der Wehrmacht oder aus Bereichen, die noch nicht für den Krieg benötigt wurden, wie die Hitlerjugend. Es liegen Wettkampfberichte vor von :

Mannesmann-Duisburg gegen Edelstahlwerke Krefeld Ergebnis: 9 : 9,
RSG Wien gegen RSG Frankfurt mit 9 : 7,
Kriegsmarine gegen Hamborn mit 9 : 5,

Die Berliner SS Staffel boxte in Prag.

Auf Weisung des Reichssportführers sollten ab Februar 1942 Fernreisen nicht mehr stattfinden. Sie bedurften der Genehmigung 2). Deshalb erfolgte die Orientierung auf die Wettkampfdurchführung im Umkreis von 50 km.

Die Wettkämpfe der Bannmeisterschaften der Hitlerjugend rückten in vielen Orten in den Mittelpunkt. Durch die Kriegsfolgen bedingt meldete Chemnitz bereits die Einstellung des Übungsbetriebes 3).

Um den Boxsport aufrecht zu erhalten, erfolgten neue Ausschreibungen von Meisterschaften. Sogar Jugendliche durften bei entsprechender Kampfkraft bei den Männern (Altersklasse) starten, ohne ihren Status als Jugendlicher zu verlieren. Ein neuer Austragungsmodus entstand. Die Meisterschaften sollten durch Vorkämpfe benachbarter Gaue und danach in Gruppen-Ausscheidungskämpfen vorbereitet werden. Die besten vier jeder Gewichtsklasse sollten in einem Kampf jeder gegen jeden den Meister ermitteln. Die Begründung für diese Veränderung waren nicht Kriegsfolgen, sondern die Vergrößerung des Reiches und die Anzahl von 350 Wettkämpfern, die bei einer zentralen Meisterschaft aufeinander treffen würden. Für die Praxis gab es folgende Regelung: Die Meisterschaften wurden für den 04.bis 09.August ausgeschrieben. In jeder Gewichtsklasse waren 16 Teilnehmer nominiert. Über die Zulassung entschied der Reichsfachamtsleiter. Ausgeschiedene Kämpfer sollten bereits nach der Niederlage wieder in die Heimatorte abreisen 4). Über 10 000 Zuschauer verfolgten die Vorrunde in Magdeburg. Es war eine Meisterschaft, ein Turnier der Soldaten, einiger für die Wirtschaft notwendiger Personen und von talentierten Jugendlichen. Die Teilnehmerliste wurde veröffentlicht, aber ohne Verein, Land oder Dienststelle zu nennen. Die Wettkämpfe von der Zwischenrunde an wurden in Hannover ausgetragen. Im Finale standen sich gegenüber :

Fliegengew.	Koschir (Niederrhein)		-	Tietsch (Brandenburg) 
Bantamgew.	Dietrich (Hessen-Nassau)	-	O. Götzke (Hamburg) 
Federgew.	Strangfeld (Westfalen)		- 	Seidel (Berlin) 
Leichtgew.	Nürnberg (Warteland)		-	Zeilhofer (Pommern) 
Weltergew.	Schneider (Niederschlesien)	-	Trittschack (Hannover) 
Mittelgew.	Pepper (Westfalen)		-	Imbsweiler (Donau-Alpenland)
Halbschwergew.	K.Schmidt (Hamburg)		-	Sohn (Ostpreußen) 
Schwergew.	Runge (Niederrhein)		-	Kleinholdermann (Brandenburg) 

Vorausgegangen waren die regionalen Meisterschaften. Nicht immer gelang die die Besetzung in allen Gewichtsklassen. Aber bei allen Beispielen war die Dominanz von Vertretern militärischer Einrichtungen deutlich.

Die Meisterschaften von Ost- und Mittelpommern fanden Ende Mai in Stettin statt. Die Meister in den einzelnen Gewichtsklassen: (Vom Fliegen- Schwergew. )

Hentschel (Hydro-Pölitz), Heß (Wehrmacht), Weisheit (Dievenow), 
Nowack (VfB Reichspost), Yachtmann (SCB), Strotetzki (LSV Stettin), 
Skawara (Kriegsmarine), Sommer (Kriegsmarine).

Deutlich treten die Schwierigkeiten bei den Sachsenmeisterschaften hervor, weil dort keine in sich abgeschlossene Meisterschaft durchführen werden konnte. Die Kämpfe im Fliegen-, Feder- und Weltergewicht mussten wegen fehlender Finalpartner auf einen späteren Zeitraum verschoben werden. Meister wurden:

Zierold/ Bantamgew., Dötsch/ Leichtgew.,Wagner/ Mittelgew., 
Schneider/ Halbschwergew., Hauer/Schwergewicht. 

Die Boxveranstaltungen waren in dieser Zeit kein Leistungsvergleich besonders trainierter und ausgebildeter Sportler, denn dazu fehlten viele Voraussetzungen. Sie waren aber im Unterhaltungsmechanismus und in politische Schwerpunkte eingebunden. So erscheinen im Boxsport 1942 über den 25. März zwei ganz unterschiedliche Berichte. 16 000 Soldaten in der Deutschlandhalle 5) besuchten die Berufssportveranstaltung, die im Rahmen der Truppenbetreuung organisiert wurde. Die gleiche Zeitung berichtete ohne Namensnennung des Autors über : „Amateure in der Deutschlandhalle“ und spricht von 13000 Berliner Zuschauern (ebenda, S. 12 ), die am gleichen Tag einer lokalen Berliner Veranstaltung als Zuschauer beiwohnten.

Dass der Boxsport zur Unterstützung des Kriegswinterhilfswerkes warb – von der Sammelbüchse bis zur Sportveranstaltung - zeigten Bilder von Boxprofis und Amateuren. Das Interesse für den Boxsport galt nicht nur den Profis, den bekannten Amateuren, sondern auch den Nachwuchsboxern. Der zu den ältesten zählende Künstler Jahannes Heesters versuchte sich auch in diesem Jahr als Profi im Boxring.

Bei der Deutschen Jugendmeisterschaft 1942 in Breslau fanden sich 4500 Zuschauer ein. Die Kämpfe mögen durchaus sehr interessant gewesen sein, da eindeutige Favoriten so nicht auszumachen waren. Im Finale standen sich gegenüber :

Fliegengew.		Gabratz (Kurhessen) 		-	Czichla (Danzig) 
Bantamgew.		Kirschke (Hamburg) 		-	Ossenfoth (Pommern) 
Federgew.		Sohn (Ostpreußen) 		-	Knies (Hessen) 
Leichtgew.		Sander (Nieder-Sachsen) 	-	Halte (Berlin) 
Weltergew.		Tauber (Mittelelbe) 		-	Stolz (Oberschlesien) 
Mittelgew. 1.		Schäfer (Westmark) 		-	Reiske (Danzig) 
Mittelgew. 2		Herzig (Mittelelbe) 		-	Serres (Moselland) 
Halbschwergew. 1	A. Kodym (Kärnten) 		-	Rau (Württemberg) 
Halbschwergew. 2	B. Neuhaus (Westfalen) 	        -	Titze (Niederschlesien) 
Schwergew.		Steinmetz (Nordsee) 		-	Kowalkowski (Hamburg)

Auch internationale Wettkämpfe, besonders zwischen Deutschland, Ungarn und Italien, als Dreiländerkämpfe bezeichnet, füllten die Sportseiten. Unter der Leitung der Nationaltrainer Hans Ziglarski, Carl Feldhus und Oskar Sänger gewann die Nationalmannschaft die Vergleiche vor Ungarn und Italien mit: 71: 39: 34. Ein Länderkampf gegen die Schweiz endete mit 13: 3 und 10: 6 erfolgreich. Die weiteren Länderkampfgegner des Jahres waren Italien, Ungarn, Kroatien, Schweden, Dänemark, Spanien und die Slowakei. Die erfolgreichsten und am meisten eingesetzten Boxsportler des Jahres waren:

Obermauer, Köln
Nürnberg, Berlin,
Hein ten Hoff, Oldenburg,
Pepper,Westfalen.

Die Medien wurden für die politische Beeinflussung der Bürger genutzt. Auch Zeitungen wie der Box-Sport waren voll in die politische Linie eingebunden. Sie berichteten über die Boxer mit hohen militärischen Auszeichnungen, über den Tod in „Pflichterfüllung“ auf dem Schlachtfeld, aber auch über Boxsportler, die über Jahrzehnte im Ring standen. So zum Beispiel über Kurt Kästner, der über zwei Jahrzehnte im Boxring zu Hause war. Er begann 1920 mit dem Boxsport und konnte 1942 seinen 300. Wettkampf bestreiten. Die Jahresbetrachtungen des „Box-Sport“ endeten in der Nr. 28 mit einer positiven Bilanz und der Orientierung, die Jugend auch weiterhin mit ausreichend Übungsleitern zu versorgen und sie optimal auszubilden.


1) Boxsport 1942, N2, S. 22f; Nr. 3, S.19 ff.
2) Box-Sport 1942, Nr. 5, S.2
3) Box-Sport 1942, Nr. 4, S. 14
4) Boxsport 1942, Nr. 14, S.15
5) Boxsport 1942, Nr. 7, S. 2
gs/a/1942.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

Seiten-Werkzeuge