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gs:a:1941

1941 – Boxen geht weiter

Das Kriegsjahr 1941 brachte für den Sport größere Einschnitte. Die Sportmaterialien waren bereits seit 1939 und Turnschuhe seit 1940 nur noch über Bezugs- oder Berechtigungsscheine zu erhalten. Sportler im Truppendienst erhielten noch Urlaub für Meisterschaften und wurden teilweise bereits vor Kampfbeginn wieder zurückgerufen. Da die in der Wehrmacht dienenden nicht regelmäßig trainierten, waren sie meist auch nicht in der gewohnten Gewichtsklasse.

Das Umfeld änderte sich. Die Vereine selbst waren durch die einberufenen Jahrgänge und den Eintritt neuer Mitglieder einer starken Verjüngung unterzogen. Komplette Staffeln waren selbst in großen Vereinen nicht mehr überall anzutreffen. Die Zusammenschlüsse von Vereinen und Mannschaften für Training und Wettkampf bestimmten in den großen Städten das Bild.

Boxstaffeln konnten dort entstehen, wo durch den Krieg bedingt die Kräfte zusammengezogen wurden, bei der Marine, der Luftwaffe, dem Heer, der Reichsbahn, der Polizei, der SS und in großen volkswirtschaftlich wichtigen Betrieben.

Die Schwerpunkte im Boxjahreskalender bildeten die geplanten Europameisterschaften, die Länderkämpfe und die nationalen Meisterschaften der Hitlerjugend und des Boxverbandes. Auf den Weg dahin bildeten die Bereichsmeisterschaften den ersten Höhepunkt im Boxsport.

Die Meister des Bereiches III veröffentlichte der Box-Sport 1). Am 12. Januar 1941 stellten sich die Kandidaten im Saalbau Friedrichshain (Berlin) zum Kampf.

Fliegengewicht:	Tietzsch (Bernau) – Thiele (RAD- Babelsberg)
Bantamgewicht: 	Schiller (Heer-Allianz ) – Seidel (Teutonia)
Federgewicht:	Graf (BVG) – Schimanski (Heer- Westen)
Leichtgewicht:	Thate (Prenzlau) - Arenz (Deutsche Bank)
Weltergewicht:	Nürnberg (BVG) - Gorczyza (Heros)
Mittelgewicht:	Schellin (Heer) - Vopel (Schöneberg)
Halbschwer:	Kleinwächter (SS) - Bork (Marine-Reichsbahn )
Schwergewicht:	Drägestein (Heros) kämpfte gegen Tiedtke (Heer) 

Diese 8 Meister sollten den Bereich 3 auch bei den Deutschen Meisterschaften vertreten. Darüber hinaus wurde noch 5 weiteren Boxern die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften gestattet:

Seidel (Bantamgew.), Schimanski (Federgew. ), Handke (Leichtgew.),
Vopel (Mittelgew.) und Kleinholdermann im Schwergewicht.

Die Westfalenmeisterschaften 1941 vom Fliegen- bis Schwergewicht gewannen2):

Kämmerer, Kleinschmidt, Quabeck, Schmedes, Noreck, Pepper, Umar,
Kosche .

Die Mitteldeutschen Bereichsmeisterschaften fanden im Magdeburger Hofjägersaal statt. Dabei wurden sechs Endkämpfe und zwei Vorschlussrunden ausgetragen.

Zur Meisterschaft in Braunschweig strömten über 2500 Zuschauer. 500 zuviel für den Wettkampfsaal. Viele waren gekommen, um Heinrich ten Hoff im Schwergewicht zu sehen. Doch dieser konnte wegen einer Handverletzung nicht starten.

In der Nordmark erkämpften in den acht Gewichtsklassen den Bereichsmeistertitel:

Götzke (Post), Platte, (Polizei), Hesse (KM.Kiel), Einfeld (RB Kiel),
Raeschke (Sportmann), Schmidt (Polizei), Baumgarten (PSV.) und 
J. ten Hoff (Polizei).

Obwohl die Meisterschaften bereits bis zum 25. Januar abgeschlossen werden sollten, konnten nicht alle Bereiche diesen Termin halten. So führte Bayern seine Wettkämpfe im Mai durch, also nach den Deutschen Meisterschaften. Bayerische Meister wurden:

Dusel , Dietrich, Dietz, Ringwandel, Strehle, Wolf,
Lettenbauer und Fischer (Nürnberg) im Schwergewicht.

Für die Deutschen Meisterschaften 1941 meldeten 187 Bewerber. Damit wollte die politische Führung Deutschlands der Bevölkerung und dem Ausland demonstrieren, dass es in der Lage war, trotz des Krieges noch große sportliche Ereignisse mit relativ guten Leistungen durchzuführen. Vom 25. 01. – 2.2. 1941 fanden die Wettkämpfe zuerst in Görlitz, dann in Liegnitz und zum Abschluss in Breslau statt. Der Box-Sport stellte die Meister vor:

Für die Spitzenboxer erfolgte nach einem Lehrgang ein Länderkampf gegen Finnland, der mit einem 12 : 4 Sieg endete. Dieser Wettkampf war eine Vorbereitung auf die geplanten Europameisterschaften vom 29.04. – 04.05. 1941 in Budapest. Diese wurden mehrmals verschoben und endgültig im November 1941 abgesagt. Erst Anfang Dezember 1941 wurde im Boxsport bekannt gegeben, dass die Europameisterschaften im Januar 1942 in Breslau stattfinden werden, jede Nation teilnehmen kann, auch wenn sie nicht Mitglied in IOC ist (eigentlich müsste jede teilnehmende Nation Mitglied in der FIBA sein !) und in jeder Gewichtsklasse mit 2 Startern antreten kann 3).

Die bereits seit 1939 stattfindenden Hallenkampfspiele der Hitlerjugend werden 1941 in Stuttgart ausgetragen. Es gab 230 Wettkämpfer, die in 134 Kämpfen in zwei Ringen nebeneinander von 8 - 19 Uhr die Sieger ermittelten. Die Sieger waren technisch ausgebildete und konditionell gut vorbereitete Jugendliche:

Fliegengewicht: 		Schims (Düsseldorf)
Bantamgew.:			Engel (Mittelelbe)
Federgew.:			Hoog (Westfalen)
Leichtgew.:			Bihler (Württemberg)
Weltergew.:			Garz (Mittelelbe)
Mittelgew. A:			Hecht (Berlin)
Mittelgew. B:			Holzalpfel (Köln-Aachen)
Halbschwergew. A:		Hambloch (Köln-Aachen)
Halbschwergew. B:		Puhlmann ( Mittelelbe)
Schwergew.:			Krause (Babelsberg)

1) Box-Sport 1941, Nr. 2, S.6
2) Boxsport 1941, Nr. 3, S. 13
3) Box-Sport 1941, Nr. 48, S. 11
gs/a/1941.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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