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gs:a:1940

1940 – Boxen trotz Krieg

Vier Monate sind seit dem Kriegsausbruch vergangen und das Boxjahr 1940 beginnt. Im Januar veranstaltete der BC 33 Limbach die erste Veranstaltung im Krieg mit Nachwuchskräften, da die Teilnehmer der 1. Mannschaft eingezogen waren. Beim Vergleichskampf von Weißenfels gegen ATW 45 Leipzig kamen sechs Neulinge in den Ring. Dagegen hatte Bremen bereits die 3. Veranstaltung seit Kriegsbeginn durchgeführt. Aus politischen Erwägungen fand bereits im Januar ein 2. Vergleich der Protektoratsstaffel von Böhmen/Mähren gegen die deutsche Nationalmannschaft statt 1). Die Kriegsfolgen sind bereits in den Meldelisten für die Meisterschaften der einzelnen Bereiche sichtbar. Dazu einige Beispiele:

  • Dessau - Bezirksgruppenmeisterschaft: 28 Boxer gemeldet- 14 traten an, 12 erschienen mit dem gemeldeten Gewicht 2).
  • Schlesische Boxmeisterschaften: 19 Kämpfe mit vielen Anfängern 3)
  • Brandenburgs Meisterschaften mit 108 Meldungen 4)

Zum Jahresende 1940 waren die Beteiligungen an den Meisterschaften etwas gestiegen. So gab es 53 Meldungen, sowohl bei den Württembergischen als auch bei den Südbayerischen Meisterschaften 5).

Die Deutschen Meisterschaften fanden vom 1. bis 8. April in Stettin und in Königsberg statt. Es stellten sich 141 Teilnehmer, die durch die Auswahlkämpfe nominiert waren und Sportler, die auf Grund vorangegangener Leistungen durch das Fachamt berufen wurden. Die Alterspalette reicht vom 17- jährigen Wiener Studenten Weidinger bis hin zu den über 30- jährigen Voosen und Schmedes. Die Endkämpfe bestritten Sieger zuerst genannt -: vom Fliegen- bis Schwergewicht:

Obermauer (Köln ) 	– 	Schopp (Speyer )
Wilke (Hannover ) 	– 	Schiller (Berlin )
Klare (Leipzig ) 	– 	Graaf (Berlin )
Nürnberg (Berlin ) 	– 	Jarchow (Hamburg )
Murach (Schalke ) 	– 	Raeschke (Hamburg )
Pepper(Dortmund ) 	– 	Baumgarten (Hamburg )
Koettgen ( Bremen ) 	– 	Schmidt (Hamburg )
Runge (Wuppertal ) 	– 	ten Hoff (Oldenburg )

Nach dem Ende der Meisterschaften stellte das Fachamt Boxen im Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen wieder vier Nachwuchsstaffeln zusammen. Für die Nationalmannschaft wurden öffentlich mehrere Mitglieder in jeder Gewichtsklasse benannt 6). Das Reichsamt war sehr darauf bedacht, das Niveau der Kämpfer nicht weiter absinken zu lassen, denn durch die im Kampf Gefallenen und die Eingezogenen werden die Lücken immer größer. So war es natürlich, wenn das Reichsamt den Übertritt von Amateuren zu den Berufssportlern für die Dauer des Krieges erneut begrenzte 7).

Bei den II. Deutschen Jugendmeisterschaften vom 26. – 31. März 1940 in Dresden sollten nur die Jugendlichen zum Einsatz kommen, die auch Chancen im Wettkampf hatten. Es gab 215 Meldungen. Die Ergebnisse im Finale vom Fliegengewicht bis zum Schwergewicht:

Götzke (Hamburg )		–	Schims (Düsseldorf )		Fliegengewicht
Bögershausen (Hannover ) 	– 	Kesselboth (Dresden )	        Bantamgewicht
Jäger (Köln- Aachen )    	– 	Seidel (Berlin )		Federgewicht
Meinzer (Westfalen )     	– 	Fenski (Ostland )		Leichtgewicht
Trittschack (Eint. Hannover ) 	– 	Wallraff (Aachen )		Weltergewicht
Virnich (Aachen )        	– 	Preis (Westfalen )		Mittelgewicht A
Busch (Westfalen )       	– 	Bühn (Schlesien) kampflos	Mittelgewicht B
Braun (Aachen )          	– 	Tabel (Niederrhein )		Halbschwergewicht A
Maus (Essen Katernberg ) 	– 	Gehrmann (Berlin )		Halbschwergewicht B
Schrandt (Hamburg )      	– 	Kuduck (Schlesien)kampfl.       Schwergewicht

Nach Abschluss dieser Veranstaltungen wurde eine „Reichsleistungsgruppe der Hitlerjugend im Boxen“ aufgestellt. Sie umfasste in jeder Gewichtsklasse bis zu 10 Teilnehmer. Es war damit ein Schritt zur gezielten Förderung ausgewählter Jugendlicher getan 8).

Die Vergleichskämpfe der Vereine gegeneinander gingen weiter. Doch neu waren Veranstaltungen, die einzelne Wettkämpfer aus verschiedenen Gemeinschaften einluden. So können gute Veranstaltungen entstehen und alle zur Verfügung stehenden Wettkämpfer einbezogen werden. Es wurden keine kompletten Mannschaften benötigt.

Eine Sonderform waren die Gewichtsklassenturniere. Da wurden zu einer Veranstaltung gleich mehrere (meist vier) Kämpfer einer Gewichtsklasse eingeladen. Es kämpften dann Kämpfer 1 gegen Kämpfer 2 und 3 gegen 4. Nach einigen Zwischenkämpfen standen sich dann die Sieger gegenüber und die Verlierer konnten den 3. Platz ausboxen.

In Leipzig fanden im Rahmen der Reichswettkämpfe der Studenten auch Boxvergleiche statt. Die Studenten aus Berlin, Hannover, Halle, Bonn, Gießen, Breslau, Wien , Essen, Leipzig, Münster, Wolfenbüttel und Kiel hatten unterschiedliche Boxvorstellungen und Technikkenntnisse. So waren im Unterschied zu anderen Wettkämpfen viele Entscheidungen vor Ende der Kampfzeit gefallen 9). Die Wettkampfzentren verlagerten sich im Verlauf der Jahre. Die Vereine des Mitteldeutschen Amateurboxens waren nicht mehr so zugkräftig. Selten führten sie große Veranstaltungen durch. Aktivere Arbeit leisteten die Vereine Württembergs und Bayerns.


1) Box-Sport 1940, Nr. 1, S. 12 ff
2) Box-Sport 1940, Nr.9, S. 13
3) ebenda, S. 12
4) Box-Sport 1940,Nr. 47, S. 7
5) Boxsport 1940, Nr. 50, S. 11
6) Box-Sport 1940, Nr. 20, S. 11
7) Box-Sport 1940, Nr. 29, S. 5
8) Box Sport 1940, Nr. 25, S. 12
9) Box-Sport 1940, Nr. 14, S. 10
gs/a/1940.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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