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gs:a:1939

1939 – Kriegsbeginn

Das Jahr beginnt wie die vorangegangen. Viele Meisterschaften, von der HJ bis zu den Kämpfen des Heeres, werden geplant und intensive Vorbereitungen gibt es für internationale Höhepunkte, wie die Europameisterschaft oder Länderkämpfe. Zur Steigerung der Leistungen werden die Ausbildungsinhalte weiter gestrafft und einer einheitlichen Leitung unterstellt.

Mit dem Kriegsbeginn stoppt für kurze Zeit der Boxsport, doch dann läuft er mit einigen veränderten Akzenten weiter. Um die breite Spitze im Amateursport zu halten, wird der Übertritt zu den Berufssportlern für Leistungsträger eingeschränkt. Welchen großem Wert dem Boxsport erhielt, ist auch darin zu sehen, dass die erste Fernsehübertragung am 17. Juli Boxkämpfe übertrug und sogar zur Funkausstellung war der Boxsport mit Wettkämpfen und Vorführungen vertreten.

Die Meisterschaften in den Gebietsgliederungen der Hitlerjugend (Bann) und in den Gauen ebenso wie die Vereinsvergleiche bestimmten zum Jahresanfang das Boxgeschehen. So hatte Schweinfurt 2000 Zuschauer beim Vergleich gegen Würzburg. Der Höhepunkt war der Kampfe von Schmittinger (Würzburg)- er hatte als einziger deutscher Boxer bereits den Europameister Musina (Italien) besiegt - gegen Lettenbauer (Schweinfurt). Neben den acht Kämpfern der Männerklasse fanden auch zwei Jugendkämpfe statt. Aber nicht immer konnten die Gewichtsklassen und das Können der Kämpfer bei der Zusammenstellung beachtet werden. So verliefen die meisten Vereinsvergleiche.

Für Boxer, die über die größte Leistungsfähigkeit verfügten, begann das Jahr mit zwei Länderkämpfen. Beide Vergleiche , gegen Finnland (10:6) und gegen Schweden (12:4) konnten siegreich gestaltet werden. Am 10.April lautete das Ergebnis in Posen gegen Polen 12:4 und Ende Juni gegen Italien 8:8. Weitere Vergleiche erfolgten gegen Jahresende.

Die Gaumeister und maximal acht vom Verband zugelassene Starter je Gewichtsklasse bildeten das Feld der Teilnehmer für die Deutschen Amateurmeisterschaften vom 21. bis 25. März in Essen. Hier setzten sich Mancyk, Wilke, Graef, Heese, Murach, Pepper, Schnarre und Runge durch. Nicht erwartet ward der Sieg von Heese gegen den Europameister Nürnberg. Die größte Überraschung für die Boxwelt aber brachte der 17-jährige Rudi Pepper fertig. Anstatt zu den Jugendmeisterschaften nach Stuttgart zu fahren, war er bei den Männern in Essen gelandet. Es überstand das Turnier nicht nur ungeschlagen, sondern wurde mit 17 Jahren jüngster deutscher Mittelgewichtsmeister. Auch andere junge Aktive hatten durch hervorragende Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Dazu zählte auch Heinrich ten Hoff.

Drei Wochen später begaben sich die Aktiven nach einer siebentägigen Trainingseinheit und Überprüfungswettkämpfern zu den Europameisterschaften nach Dublin. Es starteten: (ab Fliegengew.):

Obermauer,Wilke, Graaf, Nürnberg, Murach, Baumgarten, Koppers und Runge. 

Sie gewannen vier Medaillen. Den Titel eines Europameisters erkämpfte Nürnberg. Einen 2. Platz erreichte Obermauer. Die Bronzemedaille sicherten sich Wilke und Runge. Weitere Höhepunkte für die Leistungsstärksten waren Länderkämpfe gegen Dänemark (Sieg mit7:9) und gegen Italien (Niederlage mit 10:6). Für alle Boxwettkämpfer gab es viele Wettkampfmöglichkeiten. So begannen im Mai die Heeresmeisterschaften in Wünsdorf. Es siegten (ohne Fliegengewicht):

Hebrock, Schimanski, Akermann, Golawski, Koß, Komm und Müller. 

Allerdings gab es auch hier enorme Leistungsunterschiede.

Die Reichswettkämpfe der SA Staffeln, sie wurden zum Teil von Sportlern aus den Sportvereinen vertreten. So kämpften am 20. Juli in Berlin im Leichtgewicht : Sonntag, Staffel 5 (sonst Reichsbahn) gegen Völker, Staffel 12 (sonst Neuköln). Durch das Starten der vielen Vereinsboxer waren Ausscheidungskämpfe in drei Ringen erforderlich. Es siegten (ab Fliegengew.): Obermauer, Schiller, Graf, Nürnberg, Distelrath, Prieß, Terschüren und Runge.

Die SS-Leibstandarte kämpfte am 19. August in Goslar mit der Besetzung: Pollock (Federgew.), Pawlowitz (Leichtgew.), Kurth (Weltergew.), Koch (Mittelgew.), Kleinwächter (Schwergew.). Neben den Meisterschaften der Marine hatte auch die Luftwaffe ihre Kämpfer für die Wettkämpfe im Herbst gut vorbereitet. Um den Stand der Leistungen zu überprüfen, starteten sie am 24. August gegen Berliner Sportler. Zu dieser Gruppe gehörten unter anderem: Krüger, Bormann, Broszius, Klahre, Maurischat, Koppers, Koller, Gruppe und Bohn.

Die Studenten hatten zwei Höhepunkte in diesem Jahr. Das waren die Studentenmeisterschaften in Innsbruck, vom 25. und 26. Februar. Da hier Sportler mit unterschiedlichen Kampferfahrungen aufeinander trafen, war es nicht verwunderlich, wenn von den 48 Kämpfen 29 vor der Zeit endeten. Darüber hinaus waren in einigen Gewichtsklassen bis zu vier Kämpfe, in den zwei Tagen, bis zum Sieg, notwendig. Es siegten (ab Leichtgew.):Weiß- Leipzig, Lang-Stuttgart,Freund-Dortmund, Knies-Göttingen, Stankowski-Essen, Gehlker-Essen und Hilbrecht- Königsberg.

Mit einer ganz anderen Besetzung trat die deutsche Delegation zu den Studenten-“Weltmeisterschaften“ ( der Begriff ist irreführend, denn es traten nur einige Länder der Achsenmächte an) Ende August in Wien an. Die Studenten erkämpften folgende Plätze:

Federgew.		Lang-3. Pl.
Leichtgew.		Weiß-1.Pl., Krüger-2. Pl.
Weltergew.		Knies-2.Pl.
Mittelgew.		Stankowski-1.Pl., Werner-3.Pl.
Halbschwergew.		Abke-1. Pl., 
Schwergew.		Adam-2.Pl., Jackel-3.Pl.

Für die Jugendlichen gab es nach den Ausscheidungskämpfen in den Gauen als Höhepunkt die Jugendmeisterschaft vom 22. -26.März in Stuttgart. Hier standen sich im Finale gegenüber (ab Fliegengewicht Sieger zuerst genannt):

Götzke-Hamburg			-	Kesselboth-Sachsen
Hein-Ruhr			-	Häfele- Württemberg
Jäger-Mittelrhein		-	Mainzer-Westfalen
Wallraff-Mittelrhein		-	Einfeld-Nordmark
Trittschack-Niedersachsen	-	Preis- Westfalen
Busch-Westfalen			-	Raßkob-Ruhr
Heitkamp-Ruhr		        -	Freers-Nordsee
Finke-Nordsee		        -	Hillich-Ruhr
Proffitlich-Mittelrhein		-	Kirscht-Hannover
Kaduk-Schlesien			-	Lubertz-Düsseldorf

Für alle Kämpfer, bis zum 4. Platz, gab es anschließend eine Schutzsperre von vier Wochen. Die Reichsleistungsgruppe der Hitlerjugend setzte sich aus folgenden Sportlern zusammen:

Proffitlich, Bechmann, Meyer, Brabant, Saueracker, Kirsch, Muschlewski, Lübke und Radke.

Die Starter dieser Meisterschaften erhielten eine gezielte Förderung.

Mit Kriegsbeginn im September stockte der Boxsport. Wenn bereits einen Monat später vermeldet werden konnte, dass der Trainingsbetrieb in allen Gauen wieder aufgenommen ist, zeigten sich Lücken. Die „Alten“ sollten wieder einspringen und die Sportarbeit weiterführen. Auch erschienen in der Fachpresse die ersten Artikel über die Gestaltung des Trainings. In Hamburg erfolgte ein Aufruf von H. Krause 1), der die Vereine zur Bildung einer Interessengemeinschaft aufrief, um unter Kriegsbedingungen weiter den Boxsport zu betreiben.

Es folgten Hinweise über den Zusammenschluss von Sportvereinen, um eine Staffel aufstellen zu können, Übungsinhalte werden vorgestellt, ebenso wie ein Üben ohne Trainer. Einheitspreise für den Besuch der Sportveranstaltungen finden sich in den Boxzeitungen ebenso, wie die Feldpostnummern von bekannten Boxern. Es entstand der Eindruck eines kurzfristigen Krieges, der bereits mit dem Blick auf die kommende Olympiade verdeckt wird. Bestärkt wird dieser Eindruck durch die Gestaltung von Länderkämpfen, die wie gegen Böhmen/Mähren mit 12:4 siegreich gestaltet werden konnten.

Die ersten Nachrichten über einzelnen getötete Boxsportler erscheinen in der Fachpresse, meist mit einem „Ehrenschild“ versehen.


1) Boxsport Nr. 991, vom 25.09,39, S. 13
gs/a/1939.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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