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gs:a:1937

1937 – Europameisterschaften

Die hervorragenden Leistungen der Boxsportler bei der Olympiade ließen auch bei den Europameisterschaften wieder sehr gute Leistungen erwarten. Die Voraussetzungen sollten die Meisterschaften bringen, die in den Gauen und dann weiter auf Landesebene geführt wurden. Für den GAU III (Brandenburg) waren 14 Veranstaltungen bis zur Ermittlung der Besten notwendig. Für die Endkämpfe der Amateurmeisterschaften in Bremen meldeten alle Gaue eine voll besetzte Mannschaft. Die Kämpfe erreichten ein hohes sportliches Niveau. Den Meistertitel von 1937 errangen (ab Fliegengewicht):

Obermauer 	Köln
Wilke		Hannover
Miner		Breslau
Nürnberg	Berlin
Murach		Schalke
Baumgarten	Hamburg
Pietsch		Köln
Runge 		Wuppertal

Verbunden mit den Meisterschaften waren die Tagungen des DABV, in dem die neusten Richtlinien vorgestellt wurden. Ein neuer Weg zeichnete sich ab. So deutete sich mit dem Wechsel in der Führung – der Reichsleiter des Fachamtes Boxen übergab sein Amt an Ministerialrat Dr. Franz Metzner – ein härterer Führungsstil und konkrete Umsetzungen politischer Ziele im Sport an. Dr. Metzner äußerte sich im März 1) zu den neuen Reglungen. Er wollte nicht nur ein technisches Boxen, sondern auch eine Härte, die aber nicht unsauber sein sollte. Entgegen den bisherigen Auffassungen sollte nicht ein einheitliches Boxen demonstriert werden – nach einer einheitlichen Ausbildung - sondern ein individuell erfolgreicher Stil.

Besondere Aufmerksamkeit galt in den folgenden Jahren der Nachwuchsgewinnung. Zuerst war die Vorverurteilung des Boxens zu beseitigen, denn Boxen sollte ein Volkssport werden. Die dazu benötigten Übungsleiter sollte die Reichsakademie für Leibesübungen ausbilden. Auch der Sport der Studenten war noch mehr auf das Boxen auszurichten. Für die Hitlerjugend erfolgte ein Aufruf zu den Reichssportwettkämpfen. Die SA führte Meisterschaften mit 63 Teilnehmern in den acht Gewichtsklassen durch 2) und die Berliner SS stellte eine Staffel gegen „Atlas 1867.“

Da Dr. Metzner auch die Oberaufsicht über den Berufssport hatte, waren nachgeordnete Dienststellen für eine Koordinierung der Veranstaltungen von Berufssportlern und die Abstimmung mit den Amateuren zuständig.

Die Erfolge der Konzentration aller Boxsportaktiven, eine zentrale Vorbereitung mit staatlicher Unterstützung, zahlten sich auch bei den im Mai durchgeführten Europameisterschaften aus. Seit der FIBA- Tagung von 1933 galt der Beschluss, die Europameisterschaften nicht mehr an die Olympischen Spiele zu koppeln (der Beste Europäer bei Olympia ist auch Europameister), sondern alle zwei Jahre diese Titelkämpfe durchzuführen. Ab dem 5. Mai bestimmte für fünf Tage das Boxgeschehen in Milano das öffentliche Leben . Die Meister erhielten vergoldete Silbergürtel. Für die besten Boxnationen konnten unter der Leitung des Herzogs von Bergamo wertvolle Preise bereitgestellt werden. Vor dem Turnier galten wohl Deutschland und Ungarn als Favoriten. Doch die Turnierwertung sah Polen und Italien vor Deutschland und Ungarn vorn.

Verbunden mit der Europameisterschaft war auch die Tagung der FIBA. Große Teile der Verhandlungen wurden bei dieser Tagung in Deutsch, die als offizielle Tagungssprache zugelassen war, geführt. Als Vizepräsident - bisher hatte der Vertreter des deutschen Boxsports Erich Rüdiger diesen Posten inne - wurde Dr. Metzner gewählt 3). Eine Anerkennung der Leistungen des deutschen Boxsports und ein Ergebnis deutscher Außenpolitik. Doch bereits im April hatten die deutschen Amateure gegen eine international übliche Gepflogenheit verstoßen, die ein gemeinsames Auftreten mit Berufsboxern ablehnte. Im Rahmen des Winterhilfswerkes war es zu einer gemeinsamen Veranstaltung (15.04.37) von Amateuren und Berufsboxern gekommen 4).

Politische Ansätze diktierten in vielen Bereichen die Sportausübung. Auf der einen Seite akzeptierte die politische Welt den Berufssport, unterstützte ihn, verbot aber Wettkämpfe auf unterster Ebene, die auch Berufssport waren, das so genannte Rummel-boxen. Solange Wettkämpfe nicht unter der Aufsicht der zuständigen Boxbehörde stattfinden, sind Wettkämpfe auf Jahrmärkten, Schützenfesten und in Gastwirtschaften verboten. (Runderlass des Reichsführers SS und Chef der Deutschen Polizei vom 31, Juli 1937). Dieser Erlass war auf Beschwerden aller Gaufachleiter und nach dem Erstellen einer Denkschrift relativ kurzfristig entstanden. Dieser Beschluss galt auch für die Ringer. Gleichzeitig erhielt der Boxsport breite Unterstützung.

Auch die Hochschulmeisterschaften waren Bestandteil der allgemeinen Förderung. Wenn auch im Bantamgewicht kein Sportler antrat, kamen doch 36 Kämpfe zusammen, die in drei Tagen ausgetragen werden mussten. Jeder Teilnehmer hatte in den drei Tagen vier Kämpfe zu bestreiten. Im Leichtgewicht siegte der Vorjahresmeister Walter (Berlin), der im Finale Reimuth (Dortmund) durch k.o. besiegte. Im Leichtgewicht siegte Krüger (Marburg) durch k.o. in der zweiten Runde gegen Nordmann (Leipzig). Weltergewichtler Deuchler (Leipzig) sicherte sich mit einem Sieg über Knies (Göttingen) den Titel. Harte Kämpfe gab es im Mittelgewicht und im Finale konnte Witthülser (Dortmund) gegen Schäfer (Bonn) nicht mehr antreten und musste ihm den Titel kampflos überlassen. Im Halbschwergewicht verteidigte Vorjahresmeister Leppak (Berlin) seinen Titel. Von den fünf Bewerbern im Schwergewicht setzte sich Adam (Münster) mit zwei k.o. –Siegen in der Vorrunde durch und kam im Finale wegen einer Verletzung von Becker (Köln) auch kampflos zu Meisterehren. Nach diesen Titelkämpfen startete eine deutsche Delegation bei den VII. Akademischen Weltfestspielen in Paris. Bei diesem internationalen Turnier errangen im Leichtgewicht Krüger, im Halbschwer- Leppah und im Schwergewicht Adam erste Plätze 5).

International viel mehr beachtet war ein Wettkampf, der die Besten europäischen Boxer gegen die besten amerikanischen Faustkämpfer stellte. Unter der Leitung des Generalsekretärs der FIBA, des Herrn v. Kankovszky und der Chicago Tribune kam es zu Absprachen, unmittelbar nach den Europameisterschaften einen Wettkampf in Amerika zu veranstalten. Aus privaten Gründen konnten die Europameister Enekes (Ungarn) und Tandberg (Schweden) nicht teilnehmen. Das europäische Team rekrutierte sich aus drei Nationen: Italien, Polen und Deutschland. Für Deutschland starteten: Nürnberg, Murach und Runge.

Am 28. Mai kommt es dann zum Kampf gegen die „Golden Glove“ Meister von Chicago. Der Wettkampf endete: 4: 4 . Herbert Nürnberg siegte gegen Edward Konzole, Michael Murach siegte gegen Verne Patterson, Herbert Runge verlohr mit k.o. gegen Lemuel Franklin.

Bereits am 1. Juni erfolgte ein zweiter inoffizieller Wettkampf in Kansas City gegen die westamerikanischen Meister. Dort gewannen alle europäischen Teilnehmer. Dieser Vergleich war ein Schritt, der weltweit Interesse für den Boxsport weckte.

Doch eine andere Nachricht ließ die Boxsportler aufhorchen. Der Ingenieur Christofel hatte in München einen mechanischen Übungspartner (Sprich: Boxroboter) vorgestellt, der sich gewichtsklassenbezogen einstellen ließ, Schlagstärke verzeichnete und auch Treffer addierte. Nur der Preis verhinderte eine schnelle Einführung.


1) Boxsport Nr. 853/1937, S. 2
2) Boxsport 881/1937, S. 11
3) vergl.: Oelrich, Harald: Sportgeltung-Weltgeltung, Sport im Spannungsfeld der deutsch-italienischen Außenpolitik 1918-1945
4) Boxsport 861/1987, S. 2
5) Boxsport 883/1937, S. 14
gs/a/1937.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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