Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


gs:a:1936

1936 - Olympia

Das waren die Bilder, die in Deutschland überall für den Boxsport, für seine Erfolge nach den Olympischen Spielen warben. Der Boxsport erreichte seinen Höhepunkt im internationalen Rahmen.

Vorausgegangen war eine intensive Vorbereitung der gesamten männlichen Jugend und insbesondere der boxbegeisterten Jugendlichen. Diese Ausbreitung des Boxsports und seine qualitative Verbesserung zeigten sich in vielen Erscheinungen. So stiegen die Teilnehmerzahlen an den Meisterschaften. Es bewarben sich bei den Brandenburgischen Titelkämpfen 156 Aspiranten 1).

Auch Jugendmannschaften der unterschiedlichen Städte kämpften gegeneinander. So zum Beispiel Berlin gegen Hamburg, mit einem Ergebnis von 7:23 2). Auch die Studenten aus Aachen, Bonn, Hannover, Magdeburg, Kiel, Königsberg, Marburg, Berlin und Münster ermittelten bei den Hochschulmeisterschaften die besten Boxer, wobei die Berliner die meisten Sieger stellten. Kurze Zeit später boxten dänische Studenten am Institut für Leibesübungen in Marburg und beim Kampf in Kopenhagen erhielt der Marburger Krüger für seine sehr guten Leistungen einen Sonderpreis 3). Neben der Polizei, der Wehrmacht, der SA boxten auch Gruppen des Reichsarbeitsdienstes. So stellte dieser z.B. eine eigene Mannschaft bei den Münchener Stadtmeisterschaften 4).

Die 11800 5) männlichen Mitglieder des Boxverbandes, über 18 Jahre alt, bestritten in diesem Jahr die Meisterschaften in einer neuen organisatorischen Form. Die acht Gewichtsklassen wurden in zwei Gruppen geteilt. Diese boxten an unterschiedlichen Orten die Meisterschaft aus 6).

Deutsche Meister 1936 wurden:

Graf (Hamburg), Stasch (Kassel), Miner (Breslau), 
Schmedes (Dortmund), Campe (Berlin), Baumgarten (Hamburg), 
Jaspers (Stettin), Runge (Elberfeld)

Verbunden mit den Meisterschaften war der Verbandstag (2. April 1936), der eine Neufassung der Organisation des Amateurboxens mit der Bildung eines neuen Verbandes, dem Deutschen Amateur-Box-Verband ( DABV ), beschloss. In den von Erich Rüdiger vorgestellten Satzungen galt das Führerprinzip und alle demokratischen Regeln des bisherigen Verbandslebens waren außer Kraft gesetzt 7). Damit war der Konzentrationsprozess im Amateurlager abgeschlossen. Die Aktivitäten des neuen Verbandes richteten sich auf die Vorbereitungen der Olympischen Spiele und auf die Verbesserung des Einflusses auf die internationale Boxföderation (Förderation Internationale de Boxe Amateur / FIBA). Zur Werbung für den Boxsport erschien das Olympiaheft 12, „Boxen“, das sich im Inhalt auf Schäfer 8) und Friedrich Hentze 9) bezog.

Die Kernmannschaft, die Meister des DABV, bereiteten sich in einem vier Wochen umfassenden Lehrgang auf Olympia vor. Aber auch die Zweitplatzierten trainierten in einem Nebenkurs als Ersatz für Olympia 10). Doch die Auswahl der Besten war nicht einfach. Der Europameister Otto Kästner fehlte wegen einer Verletzung. Andere bewährte Faustkämpfer erreichten nicht die bisherige Form. So schieden Schmedes und Murrach bereits in den Vorkämpfen der Meisterschaft aus. Doch die Boxleitung entschied sich für eine bewährte Mannschaft, die sie zum Trainingslager in Benneckenstein einlud. So bereiteten sich auf die Olympiade vor:

Fliegengewicht:	Graf (Hamburg), Kaiser (Gladbeck)
Bantam:		Schmitz(Dortmund), Stasch (Kassel)
Feder:		BüttnerII (Breslau), Miner (Breslau)
Leicht :	Dixkes (Hamm), Schmedes(Dortmund)
Welter:		Campe (Berlin), Murach (Schalke)
Mittel:		Baumgarten(Hamburg), Loibl (Ulm)
Halbschwer:	Japers (Stettin), Vogt (Hamburg)
Schwer:		Runge (Elberfeld), Schnarre (Recklinghausen) 

Angetreten sind dann bei den Spielen:

Kaiser, Stasch, Miner, Schmedes,
Murach, Baumgarten, Vogt und Runge 

Sie errangen fünf Medaillen. Davon Gold durch Kaiser und Runge. Die Silbermedaille errangen Murach und Vogt und Bronze erkämpfte Miner. Damit konnten die Boxer den ersten Platz in der Nationenwertung erreichen.

Gleichzeitig sicherte eine Anweisung, dass keiner der Amateure zu den Profis übertreten darf, bis die Spiele beendet sind 11). Im Oktober gab es jedoch 23 Anmeldungen für einen Übertritt ins Lager der Berufsboxer 12). Doch auch das so genannte Rummelboxen führte immer wieder dazu, einzelnen Athleten die Amateureigenschaft abzuerkennen.


1) Boxsport Nr. 800/1936, S. 13
2) ebenda
3) Boxsport 810/1936, S.22
4) Boxsport 819/1936, S. 25
5) Boxsport 811/1936
6) Boxsport 809/1936, S. 14f
7) Boxsport Nr. 812/1936, S. 27
8) a.a.O.
9) Boxen in Bildern und Merkworten, Verlag Dick, Stuttgart
10) Boxsport 812/1936, S. 14
11) Boxsport 816/1936, S.3
12) Boxsport 837/1936, S. 17
gs/a/1936.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

Seiten-Werkzeuge