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gs:a:1935

1935 – Stabilisierung des Amateurboxens

Die Höhepunkte des Boxjahres 1935 sind nicht die Meisterschaften in den Gauen des DABV oder die Deutschen Meisterschaften, sondern Festlegungen für den weiteren Aufbau des Amateurboxsports in Deutschland. Bereits im Dezember 1934 gab es eine Beratung der Gauführer in Benneckenstein. Inhalt dieser Beratung war es, einen einheitlichen Trainerstamm zu schaffen, der vorgegebene Richtlinien des Reichsverbandes auch umsetzte. Es sollte ein einheitlicher Boxstil gelehrt werden, um einen athletisch ausgebildeten Boxer heranzubilden, der auch im Nahkampf bestehen konnte.

Diese Entscheidung war nicht so sehr auf Olympia ausgerichtet, da innerhalb eines Jahres keine Boxsportler neu aufgebaut werden konnten, sondern war ein Weg, um junge Athleten zielgerichtet zu entwickeln 1). Nachdem im Januar 1935 Einheitssatzungen für die dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen angeschlossenen Vereine veröffentlicht wurden, folgten auch neue Wettkampfbestimmungen. Um den Einfluss politischer Kräfte auf den Sport zu erschweren, ist auch der Runderlass des Bayerischen Staatsministers vom 10.01.1933 wieder veröffentlicht worden. Dieser forderte ein Führungszeugnis bei der Aufnahme in anerkannte Sportvereine 2). Damit waren Rahmenbedingungen abgesteckt, die eine weitere Förderung und Leistungsentwicklung des Boxsports begünstigten und den Einfluss der NSDAP sicherten.

Die Gaumeisterschaften waren ein voller Erfolg, denn die Kämpfe wurden fast überall in allen 8 Gewichtsklassen ausgetragen. Von 128 Meisterwürden wurden 121 ausgekämpft. Dabei wurde deutlich, dass es nicht mehr nur Berlin, Hamburg oder München ist, die gute Kämpfer stellten, sondern auch viele kleinere Orte hervorragende Boxer ausbildeten.

Der Berliner Sportpalast war der Austragungsort für die Ermittlung der Deutschen Amateurmeister im Boxen 1935. Meister vom Fliegen- bis Schwergewicht wurden:

Färber (Augsburg) 		Fliegengewicht
Rappsilber (Frankfurt/M.) 	Bantamgewicht
Büttner II (Breslau)		Federgewicht
Schmiedes (Dortmund)	        Leichtgewicht
Murach (Schalke)		Weltergewicht
Stein (Bonn)			Mittelgewicht
Pietsch (Leipzig)		Halbschwergewicht
Runge (Elberfeld)		Schwergewicht

Die besten deutschen Boxer starteten nicht nur international, sondern mussten sich auch in Vorbereitung auf Olympia 1936 den Mitbewerbern in den Qualifikationsturnieren stellen. Die Kandidaten kamen aus ganz Deutschland. So stellte Berlin 11 Bewerber, Hamburg und Stuttgart je sechs, Köln, Erfurt, München und Leipzig je drei Vertreter, Königsberg zwei. Berlin war immer noch eine Macht im Boxsport obwohl sich das in den Meistertiteln nicht widerspiegelte.

Neben den Vereinskämpfen gab es weitere Meisterschaften So unter anderem die Deutschen Marinemeisterschaften vom 12. – 16. Juni in Kiel. Sie ermittelten die Meister vom Leicht- bis Schwergewicht. Den Titel errangen: Ziegler, Walter, Gürter, Strehl, Bäßler. Die Studenten kämpften um Meistertitel in Marburg 3) und Berlin. Ausländische Vereine waren im Verlauf des Jahres oft Gäste in Deutschland. Beim Vergleich Berlin und Warschau hieß es 7:9. Die Länderkämpfe gegen die Tschechoslowakei im März 1935 und gegen Ungarn verliefen siegreich.

Veränderungen gab es in der Punktwertung. Für jede Runde konnten 20 Punkte vergeben werden. Für besondere Aktionen erhielt der Kämpfer Hilfspunkte, die in Wertungspunkte umgerechnet werden konnten. Auch die Punktuhr erfuhr den ersten Test, um dann bei Olympia voll eingesetzt zu werden. Die politischen Auffassungen spiegelten sich auch in der Boxpresse wieder. So schrieb der Box-Sport am 19.08.35 über Rassenstudien am lebenden Objekt unter anderem auch über J. Louis, der nicht so schwarz ist - unter dem Aspekt der Auseinandersetzung mit Schmeling – und Neger riechen anders.

Der jüdische deutsche Boxsport spielte in der Presse keine Rolle mehr. Er existierte aber und führte nationale und internationale Wettkämpfe durch. Nach der Isolation vom übrigen Sport im Deutschland erstarkte die sportliche Betätigung, da sich ausgeschlossene Sportler den jüdischen Verbänden anschlossen. So werden die guten Leistungen der Schüler der Frankfurter Schulen besonders im Boxsport hervorgehoben 4). Die jüdischen Sportvereine erreichten ein Wachstum und eine Steigerung der sportlichen Leistungen durch die Konkurrenz untereinander, in der Hoffnung, sich vielleicht doch noch für Olympia zu qualifizieren. Die Sportvereinigung Schild konnte 23 Boxvereine in ihren Reihen nachweisen, die bis 1938 jährlich auch Meisterschaften austrugen 5). International starteten deutsche jüdische Boxer bei der II. Makiade 1935 in Tel Aviv. Im Bantamgewicht konnte Noschkes sich mit Siegertitel schmücken. Franke, Stadtländer und Kornfeld erreichte einen 2. Platz 6).

In diesen Zeitraum fielen die Veröffentlichungen von Bücher über die Technik und das Training des Boxens, die dem Zeitgeist entsprachen: So unter anderem:

Schiegnitz, Hans: Boxen als Grund – und Kampfsport, Teubert Leipzig , Berlin 1935
Schäfer: Leibesübungen im Nationalsozialistischem Staate, Berlin 1934
Voigt: Der Boxsport im Schulturnen, Leipzig 1934

Dem gingen bereits Artikel in der „Leibesübung“ voraus, die sich mit der Methodik des Boxens beschäftigten. Der Boxsport erhielt dadurch eine breite öffentliche und fachliche Unterstützung. Seine Anerkennung erreichte immer breitere Kreise.


1) Box-Sport 1935, Nr. 745, S. 12
2) Boxsport 1935, Nr. 750, S. 19
3) Boxsport 1935, Nr. 749, S. 15
4) Die Juden im Nationalsozialistischen Deutschland, J.C.B.Mohr, Tübingen 1986, S. 231f
5) ebenda
6) Vgl.: Atlasz, Robert: Barkochba, Tel Aviv 1977, S. 126
gs/a/1935.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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