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gs:a:1934

1934 Aufwertung der körperlichen Schulung – Abwertung des Sports

Die Weichen für die Boxentwicklung in Deutschland sind bereits 1933 zum Teil erkennbar. Sie treten 1934 deutlicher hervor. In der Nr. 697 des Box-Sport schreibt Herbert Obschernikat über: „Der Sport im neuen Staat“ S. 2 „ …so wie im Krieg Kriegsdienst nationale Pflicht ist, so ist im Frieden die sportliche Betätigung nationale Pflicht“. Diese nationale Pflicht wird auf dem staatlichen Weg über Anordnungen und Regelungen umgesetzt. In den Schulen wird der Boxsport Lehrfach auf Erlass des Reichsministers des Innern vom 24. Oktober 1933.

Dass diese Bestimmung nur halbherzig war, zeigt sich in der fehlenden Bereitstellung der Mittel für die Umsetzung im Unterricht. 1) Auch die Lehrerschaft ist noch nicht ausgebildet: in Breslau werden erst im September 1934 die ersten 16 Sportlehrer im Boxsport unterwiesen 2). Bücher und Lehrmaterialien werden erst erarbeitet. Aber Schulen, die bereits Boxen einführten, werden besonders hervorgehoben. So die Mittelschule in Frankfurt /Main, wo Hufnagel bereits seit 1923 den Boxsport im Schulsport praktizierte 3). Darüber hinaus wurde eine Bewegung ins Leben gerufen „Die Suche nach dem unbekannten…“. Eine Talentsuche, die SA, SS und Hitlerjugend, die Reichswehr, der Arbeitsdienst und die Vereine betrieben. Die Talente sollten in Boxkämpfe mit verkürzten Runden zeigen, was sie bereits konnten. Besonders erfolgreich war die Werbemaßnahme in Bayern. Dort konnten durch diese Talentsuche 943 Wettkämpfer gewonnen werden. Es wurden über 545 Wettkämpfe ausgetragen, die über 7800 Zuschauern besuchten 4). Die Vereine gewannen mit dieser Werbung ein Drittel der neuen Boxbewerber. Der Arbeitsdienst stellte fast die gleiche Anzahl. Hervorgehoben werden sollte auch, dass die Arbeitsdienstlager ein regelmäßiges Training ermöglichten. Ende des Jahres veröffentlichte der Boxsport 5) die Namen von sechs Arbeitsdienstlagern, die gute Trainingsmöglichkeiten für die Boxer geschaffen hatten. Dazu zählten: Buch (bei Berlin), Burg (bei Magdeburg), Travemünde, Heltern (Westfalen), Mannheim und München.

Die SA, die SS, die HJ und die Reichswehr brachten es zusammen auch auf ein Drittel der Bewerber. Wie wirkte sich nun diese Breitenwerbung auf den Boxsport aus? Der Berufssport hatte 1933 noch 144 aktive deutsche Boxer im deutschen Ring 6). Es gab viele, aber nicht immer gut gelungene Veranstaltungen. Einzelne Berufssportler, insbesondere Schmeling, genossen breite Anerkennung und Sympathie.

Für den Amateursport gab es 1934 nicht mehr die Meisterschaften der einzelnen Verbände, sondern nur noch die „Deutschen Kampfspiele“, die als Meisterschaft gewertet wurden. Sie fanden in Nürnberg statt. Die Endkämpfe bestritten (Sieger zuerst genannt):

Rappsilber (Frankfurt )		         – 	Brofrazi (Hannover )
Miner (Breslau )			 – 	Cremer (Köln )
Kästner (Erfurt) 			 – 	Schönberger (Frankfurt)
Schmedes(Dortmund) 		         – 	Frei (München)
Campe (Berlin) 			         – 	Murach (Schalke)
Bernlöhr (Stuttgart )		 	 –	Schmittinger (Würzburg )
Pürsch (Berlin) 			 – 	Maier (Singen)
Eckstein(Lübeck) 			 – 	Fischer (Nürnberg)

Die Mannschaftsmeisterschaften in Deutschland, die einen großen Höhepunkt im Leben der Vereine darstellten, sind seitdem weggefallen. Ein Rückgang an Zuschauerzahlen war damit programmiert.

Den internationale Höhepunkt des Jahres 1934 bildeten die Europameisterschaften in Budapest, zu der 14 Nationen gemeldet hatten. Die deutsche Mannschaft setzte sich aus folgenden Kämpfern zusammen:

Weinhold, Spannagel, Otto Kästner, Schmedes, Campe, Blum, Pürsch und Runge.

Die beste Leistung erreichte Otto Kästner, der den Titel eines Europameisters mitbrachte.

In Deutschland gab es eine Vielzahl von Vergleichskämpfen kleinerer und größerer Vereine. Vergleiche zwischen den Mannschaften von Städten (Berlin – Posen, 11:5) und auch Länderkämpfe (Deutschland –Ungarn , 13:3 ; Deutschland : CSR 12:4 …) Im Blick blieb aber immer die Vorbereitung auf Olympia. So wurden die Kader für die Spiele 1936 im Oktober zu einem weiteren Lehrgang nach Benneckenstein eingeladen, weitergebildet und trainiert.

Die ideologische Beeinflussung aller Sportler war das Ziel der Arbeit des Dietwarts, die in allen Vereinen zu benennen waren. Sie sollten in Verbindung mir der NSDAP und den Schulungsämtern wirken. Dazu gab es einen Erlass, in dem die Grundsätze seiner Arbeit festgelegt waren 7). Erstmals wurde aber auch vom Staat verordnet, dass Sportler, die aus der NSDAP ausgeschlossen würden auch nicht mehr Mitglieder im Turn- und Sportverein sein könnten 8).

Der Boxsport spiegelte sich in der Auffassung vieler Menschen recht unterschiedlich wieder. Schriftsteller und Künstler beschäftigten sich damit: Victor Hugo: Lachende Mann; Conan Doyle: Rodnan Stone; ebenso Mauric Maeterling und Tristan Bernad. Über die Deutschen Künstler und ihre Stellung zum Boxsport ist in Verbindung mit Brecht ja viel geschrieben worden.

In München des Jahres 1934 trainiert ein etwa 100 Mitglieder umfassender Herrenklub unter Vorsitz des Kunstmalers Hommel und des Baron Redwitz Boxen 9).


1) Boxsport 1934, Nr. 692, S.13
2) Boxsport 1934, Nr. 729, S. 19
3) Boxsport1934, Nr. 738, S. 13
4) Box-Sport 1934, Nr. 714, S.13
5) 1934, Nr. 735, S. 15
6) Boxsport 1943, Nr.694, S. 2
7) Box-Sport 1934, Nr. 736, S. 23
8) Box-Sport 1934, Nr. 703, S. 23
9) Boxsport 1943, Nr. 707, S. 21
gs/a/1934.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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