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gs:a:1933

1933 Veränderung der Sportbedingungen

Einer der letzten Kämpfe des Arbeitersports.

Die politischen Veränderungen im Jahre 1933 trafen in vielfacher Weise auch den Boxsport. Er genoss im Rahmen der strategischen Ziele der Erziehung und Bildung der Jugend eine besondere Förderung, wenn sich die Verbände den Zielen Hitlers und der NSDAP unterordneten. Der Arbeitersport wurde verboten. Diese Arbeiter-Sport- Verbände durften sich nicht geschlossen einem Sportverein anschließen. Einer der letzten Kämpfe des Arbeitersports fand in Leipzig statt:

Die bisher bekannte Rassentheorie wurde durch den Ausschluss jüdischer Sportler, die Streichung aus den Siegerlisten und den Startverbot gegen „arische“ Sportler rassistische Praxis.

Das Boxjahr 1933 beginnt mit einigen Vergleichskämpfen der verschiedensten Mannschaften in Deutschland. So boxt Maccabi beim Mittelgewichtlerturnier in Berlin und Maccabi Köln gegen den BC Norden. 1) Ein Berliner Schülerturnier beginnt mit 11 Kämpfen; eine Woche später findet ein Berliner Jugendturnier statt.

Ab Mitte Januar beginnt zum Beispiel in Berlin die Meisterschaft mit 144 Kämpfen, die auf 13 Veranstaltungen aufgeteilt ist. Die Gewinner waren Bruß, Klingenbrunn, Arenz, Stadtländer, Hünnekens, Hornemann, Lorbeer und Holz. Die Bemühungen um die Breitenwirkung beim Boxsport sind unverkennbar. So werden für die Arbeitslosen 1000 Freikarten bereitgestellt. Auch Schulen können Anträge auf Freikarten stellen 2). Beachtenswert ist, dass der Jüdische Sportclub Maccabi bei den Berliner Kämpfen noch voll dabei ist, gleichzeitig aber eine Veranstaltung für Mitte März absagt.

Die Meister der anderen Landesverbände stehen bis März 1933 fest. Die Deutschen Meisterschaften finden im Berliner Sportpalast statt. Die Vorrunden werden in zwei Ringen ausgetragen. Deutsche Meister 1933 werden: Spannagel, Beck, O.Kästner, Schmedes, Franz, Bernlöhr, Kyfuß und Voosen

Wie auch in den vergangenen Jahren fand der Kongress des DRfAB im Zusammenhang mit der Meisterschaft statt. Hier wurde die politische Zustimmung zum Kurs unter Hitler dokumentiert, der Boxen besonders propagierte und als Schulfach einführen wollte. Auch der Ausschluss jüdischer Boxer aus dem Verband wurde bekannt gegeben und einige Meister aus den Siegerlisten gestrichen 3).

Neu war der Beschluss, Berufsboxer, die zwei Jahre keinen Wettkampf ausgetragen hatten, wieder als Amateure zuzulassen.

Als Regelveränderung, die allerdings nur zwei Monate Gültigkeit hatte, wurde beschlossen, die 4 Minuten-Runde abzuschaffen.

Die Jugendarbeit erhielt eine noch größere Beachtung. So erfolgten Ausschreibungen der Jugendturniere für Erstlinge, Anfänger bis zu 5 Siegen und Junioren in den gleichen Leistungskategorien 4). Damit konnten sportliche Leistungen mit gleichem sportlichem Können besser als bisher verglichen werden.

Die Deutschen Meisterschaften des DASV starteten vom 15. – 17. April 1933 in Tuttlingen. Teilnahmeberechtigt waren wie in den anderen Jahren die Vorjahresmeister, die Kreismeister 1933, die Sieger nationaler Turniere und Starter mit Sondergenehmigung des jeweiligen Kreissportwarts. So stellten sich 54 Kämpfer, wo innerhalb von 2 Tagen jeder Kämpfer 3 Kämpfe austrug. Deutscher Meister des DASV 1891 wurden (vom Fliegen- bis Schwergewicht): Ostländer (Aachen), Ausböck (München), Dreher (Stuttgart), Alt (Garmisch ), Held (München ), Stachowiak (München , zum 3. Mal hintereinander ) ,Glaser (Oberndorf) , Steinmüller (Ludwigshafen ).

Damit erreichte in der Vereinsgeschichte der Kreis 6 – Württemberg – die meisten Boxmeistertitel im DASV seit dem die Kämpfe 1921 ausgetragen wurden. Die „Boxtechnischen Tagung“ im Rahmen der Tuttlinger Meisterschaft begrüßte die neue politische Entwicklung des Jahres 1933. Hervorgehoben werden muss die neue Aufmerksamkeit für die sportliche Förderung der Jugendlichen. Denn die Meisterschaft für Jugendliche orientierte sich am Vorbild der Seniorenmeisterschaft. Es erfolgte eine Information über die Möglichkeit einer Unfallversicherung für Sportler, die für 19 Pfennig /Monat seit Anfang 1933 abgeschlossen werden konnte.

In der Beilage zur Athletik „Der DASV-Boxer „ wird erstmalig auf sportliches Grundwissen im Zusammenhang mit dem Boxen veröffentlicht (Rundenpausen, wie sekundieren…), denn bisher standen nur Wettkampfberichte, Regelveränderungen und Verbandsfragen im Vordergrund. Innerhalb kurzer Zeit erfolgte die Umstellung der Vereine nach dem Führerprinzip. Die Führer werden bestimmt und nicht mehr gewählt. Nach den Richtlinien des Reichskommissars werden im Deutschen Schwerathletikverband (Leitung Dr. Hey ) die Sportarten als Fachgruppen zusammengefasst. Die Fachgruppe Boxen leitet E. Rüdiger . Sie umfasst die Amateure und Berufsathleten. Jede Sportart unterhält eine Geschäftsstelle in Berlin.

Gleichzeitig wird der militärische Aspekt der sportlichen Betätigung stärker hervorgehoben. So haben sich die Vereine den Wehrsportgruppen der Wohnorte anzuschließen 5). Im Süd-Ost-Deutschen Amateur Boxverband werden sogar Referenten für Boxen bei der SA und SS eingesetzt. Das Heer führt Deutsche Heeresmeisterschaften in Kassel mit 45 Bewerbern (ohne Fliegen-, Bantam- und Federgewicht) durch 6).

Unterschiedlich ist die Behandlung der Mitglieder aus dem Arbeitersport. Einzelaufnahmen in die Sportverbände sind zum Teil möglich. Schriftliche Erklärungen aber auch Bürgen werden für die Aufnahme gefordert.

Bereits zu dieser Zeit sind die Olympischen Spiele von 1936 im Blick der Sportleitungen. So werden im Oktober 1933 20 junge Boxer ausgewählt und in einem Kurs für zukünftige Aufgaben vorbereitet.


1) Boxsport 1933, Nr. 640, S. 15
2) Boxsport 1933, Nr. 650, S. 13
3) Boxwoche 1933, Nr. 471, S.11
4) Boxsport 1933,Nr. 655, S. 23
5) Boxsport 1933, Nr. 659, S. 1499
6) Boxwoche 1933, Nr. 485, S. 13
gs/a/1933.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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