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gs:a:1932

1932 - Weniger Aktive

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Deutschen Boxsport sind nicht zu übersehen. Auf der einen Seite werden Beiträge gesenkt, um die Existenz der Boxvereine nicht noch mehr zu gefährden, anderseits fehlen Gelder für Meisterschaften und Trainingslager. Da der DASV finanziell etwas besser gestellt zu sein scheint, verstärkt sich die Auseinandersetzung zwischen DRfAB und dem DASV, der Kampf um Mitglieder bzw. ganze Vereine. Der Boxsport hat nach wie vor große Ausstrahlung. Immer neue Vereine entstehen. Die Verbesserung des Leistungsstandes der deutschen Boxer setzt aber auch die internationalen Vergleiche voraus, die trotz der ökonomischen Bedingungen stattfinden.

Neu ist ab den 1. Januar ist die Pflicht zum Tragen des Tiefschutzes. Der erste Höhepunkt wurde wieder durch die Landesmeisterschaften des Reichsverbandes gesetzt. Gegenüber dem Vorjahr ergaben sich aber besonders in den östlichen Landesverbänden erhebliche Lücken. Ein Teil der Aktiven war abgewandert in andere Landesverbände oder zum DASV.

Der Arbeiter-Athleten-Bund- Deutschlands hatte besonders in den vergangenen Jahren seine nationale Arbeit verstärkt, aber auch international stieg die Kampfzahl auf 300 Prozent gegenüber 1929 an. Die internationalen Starts der Athleten des AABD:

1930 gab es 31 Starts: (Schweiz 5x, Lettland 17x, Dänemark 4x, 
Frankreich 3x, Finnland 2x )
1931 erfolgten 44 Starts: (Schweiz 1, Lettland 5, Dänemark 6, 
Frankreich 12, Belgien 2, Estland 6, Norwegen 11, Polen 1)
1932 starteten die AABD–Kämpfer 33-mal, davon 17-mal in Dänemark und 
acht mal in Frankreich und Norwegen	

Der Höhepunkt der Boxer des DRfAB waren die Meisterschaften in München. Den Titel: Deutschen Meister 1932 sicherten sich:

Ausböck (München ), Spannagel ( Barmen ), Schleinkofer (München), 
Donner (Berlin ),Campe (Berlin ), Bernlöhr (Stuttgart), Schiller (München ), 
Voosen (Köln )

Die Meisterschaften des DASV fanden in Essen-Steele vom 25. bis 28. März statt. Erstmals wurden für die Meisterschaften drei Tage – bisher immer zwei Tage – eingeplant. Es bewarben sich 58 Teilnehmer. Meister des DASV :

Rieder, Fröblinger, Beisch, Oerder, Balzer, Stachowiak, Glaser, Kolberg.

In Verbindung mit den Wettkämpfen fand auch beim DASV die Boxtechnische Tagung statt. Neben Finanzfragen wurde auch das Verhältnis zu gemeinsamen Veranstaltungen von Amateuren und Berufsboxern behandelt. Ein gemeinsamer Start wurde ebenso abgelehnt, wie die Reamateurisierung einstiger Profis. Der Verband zählte 246 Boxsport treibende Vereine. Er verfügte über 3405 aktive Boxer. Eingeschlossen dabei waren Schülerklassen, wo ab 6 Jahren schon geboxt werden konnte. Der Verband führte 578 Veranstaltungen durch.

Erstmals veröffentlichte der DASV eine Rangliste seiner 10 besten Boxer in jeder Gewichtsklasse in der Beilage „Der DASA-Boxer“ der Zeitschrift Athletik. Wir nennen nur die ersten Drei jeder Gewichtsklasse.

Fliegengewicht:
Rieder:(Freiburg), Wojak: (Oberhausen), Raumschüssel: (Königsee)
Bantam:
Wilke (Dortmund), Fassold (Triberg), Schieren (Köln)
Federgewicht:
Ducree (Essen), Schepperle (Stuttgart), Schmitt (Saarbrücken)
Leichtgewicht:
Jasser(Achen), Jorewitz (Bochum), Schmitt (Plauen)
Weltergewicht:
Leitner(Stuttgart), Gölzenleuchter und Schätzle (Stuttgart)
Mittelgewicht: 
Kahrmann (Karlsruhe), Klöckner (Oberhausen), Kesting (Koblenz)
Halbschwergewicht:
Berg (Saarlouis), Bosseler (Achen), Vüllings (Bocholt)
Schwergewicht:
Steinmüller (Mannheim), Mathai (Bochum), Oebels (Stollberg)

Auch die Mannschaftsmeisterschaften waren wieder ein lokaler Höhepunkt für den Reichsausschuss. Hier konnte sich, nachdem bereits zweimal der 2. Platz errungen wurde, der BC Punching Magdeburg gegen den Dortmunder Boxsport 20 mit 9: 7 durchsetzen.

Die Mannschaftsmeisterschaften der DASA-Boxer fanden ihren Abschluss in der Stuttgarter Stadthalle. Vor 4000 Zuschauern schlug im Endkampf Germania Stuttgart die Thüringer Boxer aus Königsee mit 11: 5.

Die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele beginnen mit Gesprächen am grünen Tisch. Dort wird festgelegt, dass der Reichsverband mit 3 Teilnehmern und der DASV mit einem Teilnehmer je Gewichtsklasse startet. Obwohl der DASV gegen die Festlegung von einem Starter des Verbandes gegen drei des Reichsausschusses bei den Ausscheidungskämpfen für Olympia Protest einlegte, stellte er doch einen Kämpfer/Gewichtsklasse nach Ausscheidungskämpfen innerhalb des DASV. Allerdings sind nicht alle Ausscheidungskämpfe zwischen den beiden Verbänden ausgetragen worden, da der DASV einen Teil der Starter unter Protest abzog.

Die Kampfgerichte waren zu Gunsten des DRfAB besetzt. Somit waren objektive Ausscheidungskämpfe zwischen den beiden Verbänden nicht zu erwarten, wie sich dann in der Praxis auch zeigte. Die Hoffnungen für Olympia waren nicht sehr hoch geschraubt. Doch es reichte für zweite Plätze für Ziglarski im Bantam und Schleinkofer im Federgewicht. Umstritten war die Niederlage von Campe. Dennoch konnten Ziglarski, Schleinkofer und Campe als Beste Europäer den Titel eines Europameisters mit nach Hause bringen. In Auswertung der Olympischen Spiele stellte der Vorsitzende des DRfAB Friedrich Burger fest, dass die Europäer die besseren Boxer, die anderen die besseren Fighter haben 1).

Der Start der deutschen Boxer bei Olympia war durch die Ereignisse erschwert. Eine finanzielle Unterstützung gab es nur für zwei Aktive und einen Betreuer. Das Geld musste somit in Amerika durch zwei Starts „beschafft“ werden.

Aber besonders herausgehoben werden sollte noch das Kampfurteil gegen Campe, der nach dem Urteil der Fachpresse als Sieger hätte gefeiert werden müssen. Der IOC-Präsident hob dann Campe als ritterlichen Olympiakämpfer hervor.

Zuvor hatte es bereits Regeländerungen gegeben. Der Ringrichter amtierte im Ring, es gab ein Urteil nach drei Runden (ohne Zusatzrunde) und das Boxen erhielt eine höhere Wertung als das Fighten.

Der jüdische Boxsport konnte seine gute sportliche Leistungsfähigkeit auch 1932 unter Beweis stellen. So beteiligten sich die Sportler an den Brandenburgischen Landesmeisterschaften. Aber auch der Goldstein-Erinnerungs-Pokal errang Maccabi Berlin zum 3. Mal hintereinander. Die große Anerkennung und der Zuspruch für diese Boxer kommt bei der 10- jährigen Festveranstaltung unter der Leitung von Dr. Lewin zum Ausdruck, die von 1500 Zuschauern besuchten wurden 2). Auch die Kölner Maccabi Boxer zeigten durch ihren Sieg im Mai 1932 gegen Düsseldorf ihre gute Leistungsfähigkeit.

Angepasst an die neue ökonomische Lage entsprach das veränderte Regelwerk den neuen Bedingungen. Die Rundenlänge war in der Regel 2 x 3 Minuten und 1 x 4 Minuten festgelegt. Aber auch Kämpfe von vier Runden a drei Minuten gab es. Darüber hinaus konnten auch sechs Runden zu je 2 Minuten geboxt werden. Der Einsatz der Kampfrichter war reduziert möglich. So konnte bei kleineren Veranstaltungen nur ein Ringrichter amtieren 3). Bei den 40 000 Amateurboxern in Deutschland und den über 2100 Veranstaltungen ließ sich so Geld sparen. Die Arbeit der Ringrichter war sehr zeitaufwendig und verlangte den ganzen Einsatz. Der Berliner Ringrichter Schröder blickte 1932 auf 6017 von ihm geleitete Kämpfe zurück. Er hatte damit 1103 Stunden im Boxring verbracht. Das sind 110 Stunden im Jahr oder zwei Stunden und 30 Minuten in jeder Woche 4).

Die Aktivitäten zur Ausbreitung des Boxsports erfasste weitere Gruppen. Die Studenten der Deutschen Hochschule für Leibesübungen, einzelne Universitäten und die Heeresschule in Wünsdorf beginnt mir der Boxausbildung. Am 24. und 25. Juni finden in Kiel die Marinemeisterschaften mit 507 Teilnehmern statt 5).

Auch die Reichsbahn trägt in Berlin zum zweiten Mal ihre Meisterschaften aus, bei der in jeder Gewichtsklasse 4 Teilnehmer antraten 6). Nicht nur die Erwachsenen treten zum Boxen an, sondern auch die Schüler. So starten beim Berliner Schülerturnier im Dezember 1932 35 Kämpfer im Alter von 8 – 14 Jahren.

Innerhalb des Arbeitersports hatte der Boxsport einen festen Platz erhalten. Nicht die Einzelkämpfe spielten eine große Rolle, sondern die Vergleiche der Mannschaften.

Erstmals gibt es auch einen Jugendvergleichskampf zwischen Berlin und Hamburg, der 14:10 endet. Gleichzeitig boten die Berliner auch älteren Herren an, das Boxen zu erlernen und am regelmäßigen Training teilzunehmen 7).

Die “Vereinigung Berliner Boxärzte“ konstituierte sich. Sie diskutierten hygienische Anforderungen. So wurde das übliche Hosen- und Bandagen-tauschen abgelehnt. Sie forderten bessere Räume für die Begutachtung vor dem Wettkampf und die Festlegung von feststehenden Terminen für Untersuchungen. Neu und der Zeit voraus waren die Bestimmungen, dass der Arzt ohne das Kampfgericht einen Boxkampf abbrechen darf 8).

Der Boxsport hatte sich im Verlauf des Jahres trotz der ökonomischen und sozialen Bedingungen weiter ausgebreitet. Beide Boxsport betreibende Verbände konnten einen Zuwachs an Mitgliedern und Vereinen verzeichnen. Nationale und internationale Kämpfe auf Vereinsniveau waren zahlreich und zogen Zuschauermassen an den Ring. In fast allen größeren Städten gab es eine oder mehrere Boxvereine. Die Berichte über das Boxen in den Arbeitersportvereinen spielten in der Presse eine untergeordnete Rolle.


1) Boxsport 1932, Nr. 623, S.3
2) Boxsport 9132, Nr. 633, S. 16
3) Boxsport 1932, Nr. 600, S. 19
4) Boxsport 1932, Nr. 592, S. 17
5) Boxsport 1932, Nr. 614, S. 13
6) Boxsport 1932, Nr. 627, S. 30
7) Box-Woche 1932, Nr. 410, S. 12
8) Boxsport 1932, Nr. 614, S. 12
gs/a/1932.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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