Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


gs:a:1931

1931 - Eine Sportart in Geldnot

Das Jahr 1931 setzt auch für den Boxsport Rahmenbedingungen, die durch die Wirtschaftskrise verursacht sind. Die Geldnot trifft auch den Boxsport. Anderseits ist der Boxsport sehr publikumswirksam und zieht bei vielen Veranstaltungen mehrere Tausend Zuschauer an den Boxring. Jedoch das Verhältnis zum Berufssportverband und auch die Olympischen Spiele 1932 verlangen neue Überlegungen in den Verbänden in diesem Jahre. Denn es gibt in jedem Jahr Abwanderungen zu den Profis, die eine kontinuierliche Aufbauarbeit im Amateurlager erschweren. Gleichzeitig kommt hinzu, dass es für die systematische Vorbereitung der besten Kämpfer auf die Olympiade an Mitteln fehlt.

Wie in jedem Jahr beginnen die großen Aktivitäten mit der Vorbereitung und Durchführung der Gau – bzw. Landesmeisterschaften. In Berlin gibt es 147 Anwärter auf den Landesmeistertitel, die in 11 Vorkampftagen ihre Ausscheidungskämpfe durchführten 1).

Den Höhepunkt der nationalen Wettkämpfe bringen die 12. Deutschen Meisterschaften 1931 in Hamburg. Dort setzten sich Baum, Riethdorf, Schleinkofer, Doner, Kurth, Bernlöhr, Schiller und Polter durch.

An dem mit den Meisterschaften verbundenen DABV - Kongress beteiligten sich Vertreter von 346 Vereinen. Dabei sind folgende Beschlüsse gefasst worden:

  • Der Kongress sollte nicht mehr jährlich stattfinden
  • die Finanzierung für Olympia wäre durch eine Veranstaltungsgebühr von 1.- Mark zu erbringen.
  • Der Vertrag über die Zusammenarbeit mit dem DASV war zu erneuern
  • Bei Turnieren wird nur einmal- zu Turnierbeginn - gewogen
  • In Jugendwettkämpfen wird ein Härtetreffer nicht gewertet.

Die Meisterschaften des DASV im Boxen fanden in Lüdenscheid statt. Den Meistertitel errangen: ( vom Fliegen- bis Schwergewicht ) Rieder (Freiburg ), Wilke (Dortmund ), Hochmann (Köln ), Oerder (Köln ), Leitner (Stuttgart ), Stachowiak (Oberhausen ), Bubeck (Stuttgart ), Lais (Niederlichen ) 2)

Die Boxer des Arbeiter-Athletenbundes stabilisierten ihre Aktivitäten und beteiligten sich teilweise an den Meisterschaften. Sie hatten aber noch keine so breite Basis. In Württemberg waren drei Vereine Mitglieder im Athletenbund: der AV Zuffenhausen, Kraftsportclub Heidenheim und Stuttgart-Neckargartach. Über die Boxer von Rot-Sport gibt es keine ausreichenden Aufzeichnungen.

Der nächste große Höhepunkt im nationalen Boxsport waren die Mannschaftsmeisterschaften. In Hamburg sind es 10 Mannschaften, die sich um den Titel bewerben, in Bayern sechs. Diese Wettkämpfe sind, gemessen an den Zuschauerzahlen, sehr beliebt. So finden sich 3000 Zuschauer bei einer Veranstaltung in Remscheid ein. 2000 sind es in Wuppertal, 2500 in Solingen, 2000 in Köln. Mannschaftsmeister wurde zum 4. Male hintereinander der SC Colonia Köln, der den Dortmunder Boxsport mit 9: 7 besiegte.

Viele neue Initiativen auf dem Gebiet des Boxsports gab es 1931. Die Bemühungen um den Nachwuchs, um die Jugend breitete sich in allen Landesverbänden aus. So fasste der Mitteldeutsche Amateurbox – Verband auf der Tagung am 11.7. in Halle Beschlüsse, die Wettkämpfe der Jugendlichen erleichterten. Darunter fällt:

  • Jugendkämpfe kosten keine Anmeldegebühr
  • Kampfgericht besteht aus einem neutralen Ringrichter
  • Auch der Einsatz eines ungeprüften Ringrichters ist möglich.
  • Es müssen keine Punktzettel verwendet werden
  • Aber ein Sportarzt muss immer anwesend sein 3).

Die Zahlen der beteiligten Jugendlichen steigen. So meldet Hamburg 185 Teilnehmer beim Jugendturnier, in Berlin sind es 70 Teilnehmer beim Erstlingsturnier 4). Diese Kämpfe stellen sehr hohe konditionelle Anforderungen an die Jugendlichen, die von Sonnabend 20 Uhr bis Sonntag 22 Uhr dreimal in den Ring steigen müssen. 5).

Um die Ausbreitung des Boxsports weiter zu fördern, werden alle Vereine verpflichtet, den Reichs- Boxsport- Werbetag in ihrem Umkreis durchzuführen. Das konnten Boxvergleiche oder Werbungen und Demonstrationsübungen sein 6).

Bereits 1931 deuteten sich bei Veranstaltungen der jüdischen Boxmannschaften Krawalle an, so bei den Wettkämpfen in Berlin und Köln 7). Für Berlin war das um so bedeutungsvoller, da der Jüdische Boxklub Maccabi besser als die stärkste Kombination von Helios und BSC Neuköln war 8). Die jüdischen Sportler starteten nicht nur im Inland, sondern wie alle anderen Staffeln auch im Ausland. Maccabi Köln startete mit den Sportlern: Reif I und Reif II, Kuhaupt, Benedikt, Zilinski, Rosenberg und Löffler in Frankreich 9).

Auch international gab es offene und verdeckte Auseinandersetzungen. Nachdem bereits Lesser - ein Vorstandsmitglied des Brandenburgischen Amateurboxverbandes - seine Ansichten zum Verhältnis Amateur und Profi dargelegt hatte und diese im Boxsport veröffentlicht worden sind, wurde die Diskussion wieder aufgenommen 10). Er forderte:

  • Amateure benötigen eine Austrittsbescheinigung, um Profi werden zu können.
  • Vor einer Mitgliedschaft im Verband Deutscher Faustkämpfer darf keiner Verträge unterzeichnen.
  • Boxer, die Profis werden wollen, müssen Qualifikationskämpfe in einer „geschlossenen Halle“ absolvieren.
  • Zwischen den Amateuren und den Berufsathleten soll es Terminabsprachen geben, damit es keine Wettkampfüberschneidungen gibt.

International wird diese Auseinandersetzung beim Kongress der FIBA 1931 - wenn auch mit verdeckten Karten - geführt. Der Ungar Kankowski stellt den Antrag, Präsidiumsmitglieder der IBU (Verband des Berufsboxens ) dürften nicht Mitglieder des Weltverbandes der Amateurboxer (FIBA) sein. Das richtete sich gegen den Brüssler Gastgeber Collard, der Präsident der IBU aber gleichzeitig Vizepräsident der FIBA war. Denn bereits 1926 und 1929 hatte die FIBA nach der IBU-Tagung stattgefunden 11). Über diesen Antrag wurde nicht abgestimmt, sondern er wurde zurückgezogen.

Aus den internationalen Wettkämpfen der deutschen Nationalmannschaft ragten zwei Vergleiche besonders heraus. Das ist zum einen der Sieg gegen eine amerikanische Staffel, der mit 10: 6 recht deutlich ausfiel. Auf der anderen Seite ist es die Niederlage mit 10: 6 gegen eine polnische Staffel. Wurde der Sieg gegen die Amerikaner gefeiert, verbunden mit der Nachricht, dass der Kreis um den Amerikaner Carl Laemmle die Olympiareise der deutschen Amateurboxer unterstützen wird, konnte die Niederlage gegen polnische Boxer nicht richtig sein. So wurde von Fehlurteilen, beißt in die Schulter und unfähigem Ringrichter gesprochen 12).

Trotz der wirtschaftlichen Krise, dem Geldmangel und damit verbunden der Einschränkung vieler Aktivitäten, gelang es dem Boxsport, seine gefestigte Position weiter auszubauen. Das konnten auch Disharmonien in Führungskreisen von Hamburg zwischen Bayern und Berlin nicht einschränken.

Die deutschen Arbeitersportler traten auf der Arbeiterolympiade 1931 in Wien an und konnten vier Sieger stellen:

Fliegengewicht:	List (Zwickau)
Bantamgew.:		Färber (Ausgburg )
Weltergew.:		Voigt	(Fürth)
Schwergew.:		Wiebrock (Braunschweig )

Da sie auch noch fünf zweite Plätze belegten (mit Schaper, Krank, Mehnert, Heilmann, Schröder) waren sie die erfolgreichste Vertretung.


1) Boxsport1931, Nr. 539, S. 18
2) vergl.:Boxwoche1931, Nr. 369, S.12
3) Boxsport1931, Nr. 567, S.18f
4) Boxsport1931, Nr. 562, S. 13 f
5) Boxsport 1931, Nr. 549, S. 12
6) Boxsport 1931, Nr. 563, S. 2
7) Boxsport 1931, Nr. 570, S. 16, S.22
8) Boxsport 1931, Nr. 560, S.15
9) Box-Woche 1931, Nr. 357, S. 17
10) Boxsport 1931, Nr. 575, S.13
11) Boxsport 1931, Nr.355, S. 2
12) Boxsport 1931, Nr.580, S. 13
gs/a/1931.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

Seiten-Werkzeuge