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gs:a:1929

1929 - Ein erfolgreiches Jahr

Im Januar schrieb der Boxsport einen Artikel über die Zusammenarbeit von Amateuren und Profis. Bereits 1920 bis 1922 hatte es Verhandlungen zwischen dem Verband Deutscher Faustkämpfer und dem Deutschen Reichsausschuss für Amateur Boxen gegeben. Einig war man sich über die Abstimmung von Terminen und im Kampf gegen das Rummelboxen, weil es den Interessen beider Verbände schadete. Die ungeregelten Übertritte von erfolgreichen Amateuren zum Berufssport konnten jedoch nicht gelöst werden. Es blieb nur die Forderung übrig, dass die Amateure nicht das Reservoir für die Profis seien können. Der „Streit“ zwischen den beiden großen Boxverbänden ging weiter. Auch 1929 wurde keine Lösung gefunden. Damit entfielen gemeinsame Veranstaltungen beider Verbände, da sonst die Besteuerung der Sportveranstaltungen wieder einsetzen würde. Gleichzeitig schottete sich der DRfAB ab und verbot Starts gegen Mannschaften des DASV. Für den Boxsport beginnt ein differenzierter Weg der einzelnen Verbände.

Die siegreiche Maccabi-Mannschaft mit(von l. nach rechts ) Balsam, Branntwein, Meergrün, Fuchs, Batist und Veyner1)

Bei den Brandenburgischen Meisterschaften traten 137 Kämpfer an. Im Verlauf des Jahres gibt es in Berlin 53 Veranstaltungen. Neun Vereine beteiligen sich mit Mannschaften am Mannschaftspokal und im Kampf um den Goldsteinpokal.

Der DASV trug über Ostern in Aachen seine Meisterschaften aus. Die Sieger in den acht Gewichtsklassen:

Mabbefeld, Lutz, Schleimkofer, Virnich
Muyssos, Calschun, Leitmann, Thieß

Es gibt 27 Jugendabteilungen im Reichsbund, die für den Nachwuchs im Boxsport wirken 2). Doch auch die ersten Zeichen der Krise sind nicht zu übersehen. So melden Sportvereine ihre Boxabteilungen ab, die finanziell nicht mehr dem Druck standhalten. In Ludwigshafen, Kaiserslautern, Speyer und Kirchmöser sind die Boxvereine betroffen 3).

Aber auch die Sportvereine von Berufsverbänden sind immer noch aktiv. So veranstaltet der Boxklub der Fleischer in Königsberg am 28.04.1929 einen größeren Wettkampf 4).

Im internationalen Wettkampf ist Deutschland weiter erfolgreich. So verfolgen 3000 Zuschauer in der Westfalenhalle den 12 : 4 Sieg über Frankreich. Mit 10 : 6 siegen die deutschen Boxer über die polnischen Sportler. Und sieben Siege bei acht Kämpfen können die Boxer gegen Irland erringen. Entsprechend der internationalen Regeln wurde hier vom Fliegen- bis zum Weltergewicht über drei Runden a drei Minuten gekämpft. Im Mittel-, Halbschwer- und Schwergewicht war eine Kampfzeit von sechs Runden a zwei Minuten festgelegt 5).

Doch auch Kuriositäten gibt es im Boxsport. So beim Boxkampf zwischen Bochum und den Dortmunder Boxsport 1920. Die beiden Halbschweren von Brewen und Gethmann liegen beide nach heftigem Schlagwechsel im Zuschauerraum und sind beide bei 10 noch nicht wieder im Ring. Das Urteil: unentschieden

Breite Auseinandersetzungen aber auch Anfeindungen gab es um Todesfälle im Ring 6), die aber in der Anzahl nicht größer waren als in anderen Sportarten. Das war erstaunlich, denn an die Athleten wurden große körperliche Anforderungen gestellt. So bestritt Erwin Volkmar von 1924 bis 1929, innerhalb von 5 Jahren 250 Kämpfe, die nicht immer mit einer längeren Regenerationspause verbunden waren 7). Um dieses „wilde“ Boxen zu kontrollieren, bemühten sich die Verbände, einen speziellen Boxnachweis, Kampfprotokolle und Wertungstabellen zu erstellen.

Potsdam Concordia 06 mit (von links) : Schulz, Wagner,Krüger, Wolfram, Schütz, Henschke, Pfarao, Patzermann, Werner

Der Boxsport fand großes Interesse , obwohl Techniken teilweise fehlten

Boxen im Stadion
Angriff ohne Deckung

Der Arbeiterathletenbund Deutschlands war national und international aktiv und näherte sich in der Boxausführung, von der Wertung der Einzelkämpfe bist zur Organisation von internationalen Starts, immer mehr dem DRfAB an. Die internationalen Vergleiche blieben auf die Schweiz ( 3 ) und Finnland ( 6 ) beschränkt.

Die Boxliteratur ist von Beginn bis Ende 1929 in Deutschland umfangreich geworden. Waren die ersten Bücher noch „Abschriften“ der Werke aus anderen Ländern, zeigten sich bald schöpferische eigene Publikationen. Ein typischer Vertreter jener Zeit ist G.Schäfer mit seinem Buch: „Boxen als Leibesübung, Kampfsport und Selbstverteidigung“, Verlag Gerhard Stalling. Bereits 1925 hatte der Autor über das Boxen geschrieben: Boxschule , Weidmannsche Buchhandlung Berlin 1925. Dabei vermittelt er einiges von der Geschichte, über die vorbereitenden Übungen und das abwechslungsreiche Training. Die Technik wird durch die weit auseinander gehaltenen Arme und das Ausholen beim Stoß und auch der bis heute wenig veränderten Beinstellung geprägt. Bereits fest im Lehrprogramm finden sich Paraden, Blocken, Abducken. Meist aber als eine Technik beschrieben, die nicht den optimalen Kraftverlauf sichert. Auch das Boxen an den Geräten geht von einer breiten Fausthaltung vor und neben dem Körper aus.

Bevorzugt werden immer noch die langen Boxstöße, wenn auch die ersten Technikschritte für den Nahkampf geübt werden. Doch das weite Beugen der Knie, das Vorneigen des Kopfes verbunden mit Herannehmen der Hände und des Unterarms an den Körper als eine Form der Doppeldeckung sind heute regelwidrig. So wird eine andere Form der Doppeldeckung gezeigt, die den rechten Unterarm vor dem Körper und den linken vor dem Gesicht platziert. Darüber hinaus finden sich viele Hinweise über Finten und Massage bis hin zu den Wettkampfbestimmungen, die in abgewandelter Form bis heute erhalten geblieben sind.

Jährlich erscheinen mehr Werke über das Boxen, denn es wird ja in unterschiedlicher Form als Boxsport und als eine Form der Leibesübung angeboten.


1) vgl.: Boxsport 1929, Nr.474
2) Boxsport 1929, Nr., 432, S12ff
3) Boxsport, 1929, Nr. 457, S.19, S.23 f
4) Boxsport1929, Nr. 450, S. 24
5) Boxsport 1929, Nr. 457, S. 13
6) Boxwoche Nr. 306/1929, S. 9
7) Boxwoche303/1929, S.19
gs/a/1929.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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