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gs:a:1927

1927 – Vier Europameister

Die Vorbereitungen auf das Box-Jahr 1927, mit dem Höhepunkt der Europameisterschaft in Deutschland, hatten bereits zwei Jahre früher begonnen und sollten nun zu Erfolgen führen. Die nationalen Meisterschaften und Boxlehrgänge bildeten eine Einheit in der Vorbereitung auf diesen Höhepunkt.

10 000 Berliner sahen im Berliner Sportpalast die Kämpfe um die Europameisterschaft in den acht Gewichtsklassen. Die Erfolge der deutschen Boxer, die mit Dalchow, Dübbers (war 1924 im Fliegengewicht, 1925 im Bantamgewicht, 1927 im Federgewicht Meister im DRfAB), Domgörgen (Meister im Bantan1924, 1925 im Federgewicht) und Müller (begann als Fliegengewichtler,1924 im Weltergewicht von Ewald geschlagen, 1925 Weltergewichts-, 1926 Mittelgewichts- und 1927 Halbschwergewichtsmeister) vier Europameister stellten, waren das Ergebnis einer breiten und erfolgreichen Arbeit. Der deutsche Boxsport hatte eine Spitzenposition im internationalen Boxsport erkämpft. Doch diese vier Siege dürfen auch nicht überbewertet werden, da die englischen und spanischen Boxer nicht am Start waren.

Der Boxsport hatte in Deutschland ein breites Publikum erreicht und viele Kreise fühlten sich angesprochen, den Sport zu unterstützen.

So führten die Studenten die 1. Boxkämpfe in Göttingen unter der Leitung von Dr. Kühle durch, nachdem bereits 14 Tage vorher die Hochschulmeisterschaften des III. Hochschulkreises mit Göttingen, Hannover und Braunschweig stattgefunden hatten 1). Auch der Arbeiter-Athleten-Bund startete am 9.März 1927 wieder in Berlin 2). Darüber hinaus werden Boxabteilungen bei den Berliner Städtischen Elektrizitätswerken und der Berliner Straßenbahn gegründet 3). Im Berliner Logenhaus der Guttempler fand am 9.Juli 1927 ein Boxwerbeabend statt 4).

Der jüdische Sportverein Bar Kochba Leipzig, der zwei Jahre lang keine Veranstaltung mehr durchgeführt hatte, meldete sich mit einem Start in Leipzig zurück 5). Die unterschiedlichen politischen Auffassungen unter den deutschen Juden finden sich auch in der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Sportvereinigungen. Ein Teil integriert sich in den Sportvereinigungen „Schild“ und „Vintus“ und der andere in „Makkabi“, „Bar Kochba“ und „Hankoah“. Bis zum Jahre 1935 gab es so gut wie keine Kontakte zwischen Makkabi und Schild, auch keine sportlichen Vergleiche.

Besonders in Sachsen breitete sich der Boxsport aus. So entstand in der Kleinstadt Beierfeld mit 4000 Einwohnern eine Boxabteilung mit 80 Mitgliedern. Diese Ausbreitung des Boxsports war auch in Aue, Zwönitz und Schwarzenberg zu verzeichnen 6).

Dem Aufschwung standen aber auch viele Hindernisse gegenüber. So gab es immer wieder Spannungen zwischen den beiden den Boxsport besonders fördernden Verbänden, dem Reichsbund und dem Athletik-Sportverband. Diese waren in den vergangenen Jahren teilweise durch einen Kartellvertrag entspannt, den aber der DRfAB kündigte, da er keinen Vorteil für sich erkannte 7).

Das neue Selbstbewusstsein des Deutschen Reichsbundes für Amateurboxen, gestärkt durch die Münchener Meisterschaft zwischen den beiden Boxverbänden, endete mit 16: 2 für den DRfAB 8), drückte sich auch aus in der Umbenennung der Meisterschaften. So sollten in der Zukunft nicht mehr Meisterschaften des DRfAB sondern Deutsche Meisterschaften ausgetragen werden.

Auch das Regelwerk veränderte sich. So wurde der Tiefschutz für alle Boxer obligatorisch 9). Die Ringrichter mussten bei internationalen Kämpfen den Wettkampf außerhalb des Ringes leiten, die Presseleute wurden vom Ring weg in die erste Zuschauerreihe gesetzt 10).

In der Boxpresse erschienen nicht mehr nur Berichte über Vergleiche und Ergebnisse, sondern verstärkt wissenschaftliche Artikel unter anderem über Jugendboxen mit dem Hinweis: „Der Boxsport darf für die Jugend kein Kampfsport sein, sondern ein Mittel zur Festigung des Körpers, des Willens und des Charakters…“ 11). Doch auch Beiträge über Psychologie, Herz, Kreislauf und Erziehung sind zu finden.

Gehemmt wurde dieses Aufstreben durch Behörden, die Sporthallen nicht mehr unentgeltlich für den Boxwettkampf zur Verfügung stellen wollten 12). Aber auch die eigene Ausbreitung stieß an Grenzen. So führte die Vielzahl von Wettkämpfen, besonders im Berliner Raum, zum Nachdenken über die Eingrenzung der Wettkampfhäufigkeit, denn nicht alle Wettkämpfer konnten sich auf die Höhepunkte, die Meisterschaften richtig vorbereiten. So sind von den 123 gemeldeten Boxern für die Brandenburgische Meisterschaft 1927 (Berliner Vereine unter sich) nur 92 Starter über die Waage gegangen 13).

Die Länderkämpfe der deutschen Boxer konnten alle gewonnen werden, bis auf den Wettkampf gegen Ungarn in Budapest. Die Zeitungen berichteten über Unsauberkeiten der Technik der Ungarn, die Unfähigkeit des Ringrichters und über das unsportliche Publikum. 14). Über die einzelnen Wettkämpfe wird berichtet, aber immer der Sachverhalt der Benachteiligung der deutschen Boxer hervorgehoben.


1) Boxsport 1927, H.334, S.28
2) Boxsport337, S. 28
3) Boxsport 370, 1927, S.14
4) Boxsport, 1927, 354, S. 12
5) Boxsport 1927. H.344, S.20
6) Boxsport 1927, 350, S. 19
7) Boxsport, 1927, 328,S. 13
8) Boxsport1927, 328, S. 19
9) , 12) Boxsport 1927, 342, S.15
10) Boxsport, 1927, 342, S. 15
11) Boxsport 1927/346, S. 12
13) Boxsport 1927, 333, S. 15
14) Boxsport 1927, 373, S. 12
gs/a/1927.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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