Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


gs:a:1926

1926 - Zwei Deutsche Meisterschaften

Auf allen Ebenen, die für die Boxentwicklung 1926 wichtig waren, gab es viel Bewegung. Der DRfAB begann das Jahr mit Veränderungen der Wettkampfbestimmungen, die unter anderem festlegten, dass bei Turnieren in der 3. Auslosungsrunde kein Freilos mehr gegeben wird. Auch die heute noch bekannte Punktwertung von 20 Punkten/ Runde wurde eingeführt. Diese Veränderungen waren notwendig, um bei den vielen Kämpfen ein objektives Kampfgericht einzusetzen, das nach dem gleichen Maßstab wirkte.

Bereits im Januar fanden in vielen mittelgroßen Städten Boxwettkämpfe statt, so unter anderem in: Wittenberg, Stettin, Oldenburg, Weißenfels, Dortmund, Hamborn, Köln, Rosenheim, Aachen, München, Wiesbaden, Heilbronn, Mannheim. Der Boxsport hatte in vielen Städten eine feste Heimstätte gefunden. Dabei gab es viele Veränderungen, so zum Beispiel in Nürnberg. Dort hatte sich bereits 1920 ein Boxverein im Rahmen des DASV gegründet, der nach Profikämpfen einen großen Aufschwung nahm. 1923 löste sich der Verein vom DASV und wurde ein eigenständiger Verein, der sich dem DRfAB anschloss. Ein Jahr später trat er mit eigenen Veranstaltungen in die Öffentlichkeit. Doch die im Umfeld stattfindenden Profikämpfe und das noch nicht ausreichende Niveau führten zum Zuschauerschwund.

In anderen Orten Deutschlands kommen viele Zuschauer, wenn Boxveranstaltungen stattfinden. So sahen in Hamburg 1500 Zuschauer die Hamburger Meisterschaften 1), ein volles Haus erlebte Chemnitz 2). Bei den Berliner Meisterschaften mussten ca. 1000 Zuschauer wieder den Raum wegen Überfüllung verlassen 3). Die 7. Deutschen Meisterschaften, in Mannheim ausgetragen, erreichten nach guter Vorbereitung ein hohes Niveau. Deutsche Meister des DRfAB 1926 wurden:

Ziglarski, Mitzel, Volkmar, J.Domgörgen, Riecke, Müller,Sänger, Schönrath

Im Anschluss an die Meisterschaft fand wie in der Vergangenheit immer der Verbandskongress statt. Hier wurden richtungweisende Beschlüsse gefasst. So stimmten die Anwesenden für die Bewerbung zur Durchführung der Europameisterschaft und die zielgerichtete Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. In diesem Rahmen wurde festgelegt, dass durch die gemeinsamen Trainingslager von Aktiven und Trainern die Vorbereitung auf Olympia langfristig geplant und durchgeführt werden sollte. Das wurde möglich, da Deutschland einen Sitz in der FIBA (1926) erhielt. Dieser Beschluss konnte nach nur drei Monaten Vorbereitungszeit mit einem Olympiakurs in Berlin umgesetzt werden. 21 Aktive und 20 Trainer widmeten sich der Ausbildung der Boxtechnik. Auf der Grundlage einer vielseitigen Anwendung von Übungen aus anderen Sportarten wurde eine breite Grundlage für die körperliche Leistung gelegt. Doch auch Massage, Anatomie und Regelkunde waren Bestandteil des Kurses.

Aber auch die Wettkampfbestimmungen erhielten Präzisierungen. So sollten Kämpfer nur in der Gewichtsklasse starten, dessen Gewicht sie auch hatten. Zum anderem konnten in einer Boxveranstaltung auch zwei Wettkämpfe stattfinden, die über sechs Runden zu je 2 Minuten verlaufen sollten 4), gleichzeitig ist aber die Reglung über die Zusatzrunde teilweise ausgesetzt.

Der DRfAB hatte es geschafft, sich durch die nationale Vertretung im internationalen Rahmen einen Vorteil gegenüber dem DASV zu verschaffen, der im nationalen Rahmen eine Führungsrolle beanspruchte.

Der Deutsche Athletik-Sport-Verband, der seinen Wirkungsbereich vorwiegend im Süddeutschen Bereich hatte, führte in Frankfurt/ Main eigene deutsche Meisterschaften durch. Den Meistertitel erwarben:

Fliegengewicht	        Stippel, Augsburg
Bantamgewicht	        Castor, Köln
Federgewicht		Kurth, Köln
Leichtgewicht		Müller, Freiburg
Weltergewicht		Balschun, Essen
Mittelgewicht		Nießen, Köln
Halbschwergewicht		Osterlen, Stuttgart
Schwergewicht	        Levy, Essen 

Der DASV wertete die Meisterschaften als vollen Erfolg. Aber in den Veröffentlichungen des DRfAB sind sehr negativ Bewertungen für die Organisation und die sportliche Leistung zu finden. So trat der Württembergische Meister Willi Faigle im Leichtgewicht nicht an, da der Freiburger Müller ein Ex-Profi war. Die Satzungen sahen bei diesem Vergehen keine Sanktionen vor.

Auch der Jüdische Boxsport machte weitere Fortschritte. Es war normal, dass der jüdische Sportverein Maccabi Berlin in Hamburg startete. Denn die Sportler FriedländerII, Friedländer III, Gutmann, Malz, Weißkind und der Brandenburgische Meister Buchbaum waren bekannte und leistungsstarke Sportler. Der Boxsport hatte bereits Friedländer und Buchbaum im Heft 278 5) als ausgezeichnete Boxer vorgestellt. Doch auch der Jüdische Boxklub Hakoah startete im Berliner Lehrervereinshaus mit einer Mannschaft, die sich aus: Ball, Noack, Horwitz, Neumann; Myschlowitz, Fritz und Harschmann zusammensetzte. Darüber hinaus machen auch die Kölner Maccabi-Kämpfer auf sich aufmerksam. Sie wechselten aus dem Arbeitersport in den Reichsverband für Amateurboxen.

Der Arbeiter-Turn- u. Sportbund hat in seinem Arbeiterathletenbund, der sich unter anderem auch dem Boxsport widmete, 1926 ca. 56 000 Mitglieder. War der Boxsport in der Öffentlichkeit im Rahmen der Athletik noch bis 1924 kaum bekannt, verändert sich langsam die Auffassung. Bereits zur Arbeiterolympiade in Frankfurt im Jahre 1925 beteiligten sind 31 Boxer. Jedoch zeigen Hinweise im „Boxsport“, wenn von Übertritten gesprochen wird, dass der Boxkampf schon 1926 ein fester Bestandteil des Arbeitersports war.

Die Kampfspiele 1926 fanden in Köln statt. Die Endkämpfe bestritten ( Sieger zuerst genannt )

Schulze, Magdeburg 		– 	Pauly, II Köln
Mitzel, Mainz 		        –       Spunner, Österreich
Dübbers, Köln 		        – 	Ullrich, Hannover
Domgörgen, Köln 		– 	Volkmar, Berlin
Pautz, Anklam 		        – 	Riecke, Hamburg
Müller, Köln 			– 	Buchbaum, Köln
Nispel, Berlin 			– 	Ackermann, DASV
Siewert, Berlin 		– 	Schönrath, Krefeld

Über diesen festen Rahmen hinaus fasste der Boxsport auch immer mehr in anderen Bereichen Fuß. So meldete der Boxsport den 1. Kampfabend der Boxabteilung des Bankensportvereins 6), „dessen Kämpfer wohl Herz haben, aber technisch noch nicht so gut sind.“ Dass die Jugend sich zum Boxsport hingezogen fühlte, als eine Art der neuen Herausforderung, ist verständlich. Deshalb bemühten sich Schulkreise in Berlin, den Boxsport im Schulturnen zu verankern. Auch die studentische Jugend widmete sich immer mehr dem Boxsport. An der Uni in Göttingen boxen Akademiker und auch Studenten 7).

Die Gesetzeshüter, die Berliner Polizei, führten am 1. Oktober 1926 in den Germaniasälen in Berlin ihre Meisterschaften durch, die wohl mehr Teilnehmer verzeichnete, aber im Leistungsniveau keine Steigerung gegenüber dem Vorjahr aufwiesen. Betrachten wir die Kämpfer jener Zeit, so ist immer wieder mit größter Hochachtung von den Leistungen der Athleten zu sprechen. Nicht junge Männer, sondern auch reifere stellten sich im Ring. So war der Berliner Polizist Gaikowski bereits 39 Jahre, als er seinen 200. Kampf bestritt.

Berichtet wird auch von der Flugschule Krekow in Stettin, die wegen der Erziehungsinhalte Boxen von ihren Flugschülern forderte.

Als die Berliner Boxvereine Maccabi und Westen zum Jahresende 1926 Amateure aus Frankreich eingeladen hatten und diesen Vergleich gewannen, zeigte sich ein Teil Normalität. Die Sportswelt einigte sich über Nationalismus und Rassenschranken hinweg, obwohl es in Deutschland noch oder immer wieder Bemühungen gab, den Boxsport zu diskriminieren. So hatte die Polizei in Jülich die Stadtmeisterschaften wegen Rohheit des Boxsports untersagt. Auch einzelne Finanzämter versuchten von den Sportvereinen Vergnügungssteuern einzutreiben, obwohl die generelle gesetzliche Lage bereits Steuerbefreiung ermöglichte.

Der Arbeiter-Athletenbund mit Braunschweig, Hildesheim und Hannover hatte Arbeitersportler aus Moskau, der Schweiz und Lettland zu Gast, wobei die Aktiven fünf Wettkämpfe innerhalb kurzer Zeit bestritten.


1) vgl.: Boxsport Nr. 278, vom 22.01.1926, S. 18
2) ebenda, S.19
3) vgl.: Boxsport, Nr. 284, vom 05.03.1926, S. 12
4) vgl.: Boxsport, Nr. 289 vom 08.04.1926 S. 13
5) vom 22. 01.1926, S. 30
6) Boxsport Nr. 284, vom 05.03.1926, S. 17
7) Vgl. Boxsport 1926, Nr. 277, S. 13
gs/a/1926.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

Seiten-Werkzeuge