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gs:a:1925

1925-neue Regeln

Für den Amateurboxsport erfolgten in diesem Wettkampfjahr einige Veränderungen. So wurden die Gewichtsklassen durch das Papiergewicht (bis 45 kg) ergänzt. Es gab somit neun Gewichtsklassen. Auch Fragen der Wertung des k.o. standen in der Diskussion. So verweist Hans Böttcher: Amateurboxen und k.o. 1) auf ein Phänomen des Boxsports hin. Er betont, dass der k.o. für den normalen Mann nicht schädlich ist. Dennoch gab es im internationalen Rahmen unterschiedliche Regelungen. Der internationale Verband (die FIBA) erkannte keinen k.o. an. Die amerikanischen Amateuren kanten die k.o.- Entscheidung. In England wurde nach 10 Sekunden Kampfunfähigkeit der Kampf abgebrochen und der Sieger nach dem derzeitigen Punktstand ermittelt. In Deutschland gab es die k.o.-Entscheidung. Gleichzeitig wurde auch der Tiefschlagschutz für die Aktiven empfohlen, der noch nicht zur obligatorischen Ausrüstung gehörte. Ebenso finden wir in diesem Jahr den ersten Antrag von Gentz aus Celle zum obligatorischen Tragen eines Kopfschutzes 2).

Wichtig für die Weiterentwicklung des Boxsports waren aber die Beschlüsse des V. Verbandstages des DRfAB vom 11.04. 1925 in Hannover. Mit der Anpassung an die Regeln der FIBA und die Bestätigung der Aufnahme des Reichsverbandes wurden auch die Grundlagen für den Start bei den Europameisterschaften gelegt. Durch die neue Führung des DRfAB sollten viele Probleme besser bewältigt werden. So wurde der Zeitungsverleger Friedrich Burger neuer Präsident und der Berliner Boxaktivist Leonhard Mandlar Sportwart.

Die Durchführung der deutschen Meisterschaften wurde auf 3 Veranstaltungsorte verteilt. So fanden die Vor- und Zwischenkämpfe im Papier-, Fliegen-, Feder-, Welter- und Halbschwergewicht in Berlin statt. Die andere Veranstaltung mit den anderen Gewichtsklassen hatte Kassel als Austragungsort. Die Endrunde der letzten zwei, die Meisterschaftskürung fand dann in Hannover statt. Bereits hier setzten kritische Stimmen ein, die auf die ungenügende Betreuung von Aktiven kleinerer Vereine verwiesen, aber auch einen Rückgang der Zuschauerinteressen befürchteten.

Die Werbung für den Amateurboxsport erreicht erstmals auch die Universitäten. Der Boxverein der Universität Breslau schloss sich dem SOABV (Süd-Ostdeutschen Amateur-Box-Verband) an. Erstmals waren es Akademiker, die sich auch um die Förderung und Ausbreitung des Amateursports bemühten. Erziehungswissenschaftler Sprenger fordert „Boxen als Gemeingut des Volkes“ 3). Denn der Sport und auch der Boxsport sollten als Ersatz für die Wehrpflicht dienen und solange es noch nicht in Marine und Herr eingeführt sei, sollten die Schulen den Anfang machen. Thomas Frehse veröffentlichte 1925 im Boxsport nach der Einführung des Boxunterrichts an Berliner Schulen ein Gedicht:

Und also sprach der Herr Professor: “ - Das geht zu weit – wie soll das werden? Anstatt das die Erziehung besser, wird sie gemeiner noch auf Erden. Wohin solls den die Jugend bringen? Am Tage rauchen- abends foxen, und dann – es ist zum händerringen dazu das gottverdammte „ Boxen „. Da lob ich mir aus meinen Tagen des wahren Anstands feine Sitten. Wir – kannten weder Streit noch Schlagen, wir waren artig – lernten bitten. Und auf des Rasens grüner Fläche, da spielten wir mit Ball und Reigen; man setzte höchstens über Bäche, um also seine Kraft zu zeigen. Nie lockte uns die Lust zu kämpfen, man war stets freundlich und ergeben. Mit lieben Worten Streit zu dämpfen war unser allererstes Streben. Oh – wenn ich meiner Jugend denke, wie schön war sie voll edlen Trieben. Wohin ich heut die Blicke lenke- von alledem ist nichts geblieben. Der Kampf war stets der Völker Ende, denn ich bin grau uns weis es besser. Drum binde man dem Volk die Hände damit es lebe – sprach der Professor.“

Der Boxsport breitete sich aus. Auf der einen Seite konnten immer neue Mitglieder gewonnen werden und auch Übertritte aus den Reihen der Boxabteilungen des DASV verstärkten den DRfAB 4). Ebenso festigte sich der Boxsport unter den jüdischen Sportlern weiter. Am 05.Mai 1925 führte der Verein Maccabi Berlin eine Großveranstaltung durch, bei der es auch um Ausscheidungskämpfe um die Europameisterschaft ging. Die Kampfstärke von Maccabi Berlin wurde im Februar bereits gegen die Boxmannschaft vom Weißenseeer Fußball-Club 1900 demonstriert, der unentschieden endete. 5). Auch der Maccabi Verein von Bonn stellte eine Mannschaft und boxte gegen den Jüdischen Turnverein von Köln 4:12 6). Welch große Wertschätzung die jüdischen Boxaktivitäten in Berlin erhielten, ist auch dem Nachruf für Goldstein, dem langjährigen Berliner Boxpionier zu entnehmen. 7). In einer der Hochburgen des Boxsports, in Berlin, veranstaltete der DASV am 27. und 28. Juni 1925 seine Deutschen Meisterschaften. Vorangestellt wurden im Fachblatt des Reichsverbandes die Kritik. Der Start eines Österreichers, der Teilnahme von einigen Profis und die volle Kostenübernahme durch die Athleten führten zu einer Abwertung der Veranstaltung. Die Meister des DASV 1925 wurden:

Fliegengewicht:	Metzner
Bantamgew.		Thiele (ohne Kampf )
Federgew.		Vorge
Leichtgew.		Luft
Weltergew.		Lauer
Mittelgew.		Ottens
Halbschwergew.	        Naujock
Schwergew.		Schwarzer

Der Reichssportwart des DASV, Eduard Weißleder, hatte im gleichem Jahr das 1. Boxsport-Lehrbuch herausgegeben, das sich mehr an der amerikanischen Methode des Boxens mit gebeugten Beinen, vorgeneigtem Oberkörper und den dicht vor dem Körper und dem Kinn liegenden Händen orientierte.

Die Meisterschaften des DRfAB begannen bereits in den Vereinen. So berichtet der Post-Sport-Verein Berlin von seinen Klubmeisterschaften. 8)

„ Ausschreibung zur Klubmeisterschaft im Boxen

  1. Teilnahmeberechtigt ist jedes Mitglied des P.S.B.. das bis zum Meldeschluß seinen Verpflichtungen nachgekommen ist.
  2. Mitglieder, die in einem anderen Verein den Boxsport betreiben, sind von der Teilnahme ausgeschlossen, ebenso solche, die nicht im Besitz der Amateureigenschaft sind.
  3. Die Vor- und Hauptkämpfe werden nach den Bestimmungen des D.A.S.A.V. Ausgetragen und gehen jeweils über 3 Runden zu 3 Minuten, eventuell bis zu zwei Zusatzrunden.
  4. Die Gewichtsklassen sind folgende:
    • Papiergewicht bis 85 Pfund
    • Fliegengewicht bis 102 Pfund
    • Bantamgewicht bis 107 Pfund
    • Federgewicht bis 114,5 Pfund
    • Leichtgewicht bis 123 Pfund
    • Weltergewicht bis 133 Pfund
    • Mittelgewicht bis 145 Pfund
    • Halbschwergewicht bis 158.5 Pfund
    • Schwergewicht darüber
  5. Die Kampfhandschuhe sind 8 Unzen und weiche 2 -Meter Bandagen
  6. Meldeschluß und Gewichtsfeststellung ist Donnerstag. Der 12. November.
  7. Die Endkämpfe Anfang Dezember (der Termin und Kampfplatz erscheint im nächsten Blatt).
  8. Die Vorkämpfe finden im Trainingsraum am 12. November, abends ½ 8 Uhr .. statt.
  9. Sollten in einer Gewichtsklasse nicht mehr als 2 Meldungen vorliegen, so fällt die Vorrunde zur Meisterschaft aus.
  10. Startgeld wird nicht erhoben.
  11. Der Sieger erhält den Titel „ Klubmeister 1925“ und behält diesen auf die Dauer von einem Jahr
  12. Eine nachträgliche Herausforderung um den Titel findet nicht statt.
  13. Das Kampfgericht ist neutral, und die Kämpfe werden unter Aufsicht des Verbandes ausgetragen.
  14. Die Sieger erhalten Ehrenpreise laut Verbandsbestimmungen

EINIGE RATSCHLÄGE

  1. Schaffe dir ein kleines Buch an und registriere dir deine gehabten Kämpfe. Datum, Ort, Gegner, Gewicht, Ausgang des Kampfes, eventuell erhaltenen Preis.
  2. Vor dem Kampf unterhalte dich nicht mit deinem Gegner oder anderen fremden Personen.
  3. Boxe möglichst nur in deiner Gewichtsklassen.
  4. Vereinbare nie eine Revanche, überlasse dies deinem Leiter.
  5. Sei sportlich und lasse dich nicht von Nichtfachleuten belehren.
  6. Erscheine in guter Kampfkleidung, wie der Verein sie vorschreibt, alle übrigen Verzierungen lasse fort.
  7. Mache keine allzugroße Siegesfeier.
  8. Halte zu deinen Vereinskameraden und gehe jeder ernst werdenden Meckerei aus dem Wege bzw. lasse deine Vereinsnadel nicht sehen.
  9. Rühme dich nie eines Sieges und sprich nie schlecht vom Gegner.“

Neben der weiter voranschreitenden Ausbreitung des Boxsports gab es auch die ersten nachdenklichen Berichte. So verzeichnete Alfred Handtke in: „Kritische Betrachtungen über den Deutschen Boxsport“ erstmals einen Besucherrückgang, obwohl noch mehrere Tausend Zuschauer bei Großveranstaltungen anzutreffen sind. Doch auch andere Zeichen zeigten, dass der Boxsport etwas Alltägliches geworden ist. Die Organisatoren suchten weiter nach der Sensation. So war es zu verstehen, wenn Frauen und Männer gegeneinander boxen. Der Verband Deutscher Faustkämpfer hat solche Starts verboten. Sie waren nicht rentabel genug 9). Es sollen auch nicht sehr viele dieser Wettkämpfe stattgefunden haben. Ob auch die Boxkämpfe der Taubstummen 10) in diese Rubrik einzuordnen sind, kann der Verfasser nicht mit Sicherheit sagen. Lehrreich und von besonderer Aktualität sind die Auffassungen von Dr. Erwin Petzall: „Die Frauen und der Faustkampf“ 11). Bereits zu dieser Zeit zeigte sich, dass die Frauen von manchen Veranstaltungen ausgeschlossen wurden, weil es nicht schicklich war oder das Geld fehlte. Nach der Behandlung vieler Probleme (aktive Mitarbeit am und im Boxring sollte es nicht geben) kommt er zum Schluss: „Bringt Eure Frauen mit zu den Kämpfen.“

Bereits seit 1921 wird der Boxsport auch in den Arbeitersportvereinen betrieben. Der Arbeiter-Athleten -Bund (AAB) und auch der Arbeiter-Turn- und Sport-Bund betreiben den Boxsport. Bis 1924 wurden die Wettkämpfe im öffentlichen Rahmen mit der Verkündung eines Siegers teilweise ganz angelehnt. Auch sollten die Wettkämpfe unter einer politischen Diktion der Stärkung des Arbeitersports und der Arbeiterklasse dienen. Deshalb gab es bereits seit Anfang der zwanziger Jahre Boxkämpfe, die meist nur untereinander ausgetragen wurden und die Vergleiche mit bürgerlichen Vereinen nicht anstrebte. Der erste internationale Höhepunkt im Arbeiter-Boxsport war die I. Arbeiter Olympiade 1925 in Frankfurt am Main. Eine hohe Leistungsfähigkeit des deutschen Arbeiterboxsports wurde demonstriert. Die Sieger der Arbeiter–Olympiade 1925 waren:

Fliegengewicht:		        List, Deutsachland 
Bantamge.			Färber, Deutschland
Federge.			Kukkonen,  Finnland 
Leichtge.			Guliksen, Norwegen 
Welterge.			Voith, Deutschland
Mittelge.:			Ukonen, Finnland 
Halbschwerge.		        Vybral, Osterreich 
Schwerge.			Wiebrock, Deutschland 

Die Ergebnisse des Boxens wurden beim Arbeiterathletenbund in der Beilage „Der DSAV – Boxer“ der Zeitschrift Athletik veröffentlicht.


1) Vgl.: Boxsport 1925, Heft 1, S.22
2) vgl.: Boxsport 1925, 21.05.25, S.12
3) Vgl.: Boxsport 1925, Nr. 224, vom 09.01.24
4) vgl.: Boxsport 1925, Nr.227, S. 15
5) vgl.: Boxsport 1925, Nr. 230, vom 20.02.25, S. 18
6) vgl.: Boxsport 1925, Nr. 253, S. 15
7) Vgl.: Boxsport 1925, Nr. 248, S.12
8) E. Heydemann: Chronik der Boxabteilung Post-Sport-Verein-Berlin
9) vgl.: Boxsport 1925Nr.240, S. 7
10) vgl.: Boxsport Nr. 253, S. 15
11) vgl.: Boxsport 1925, Nr., 243, S. 9
gs/a/1925.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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