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gs:a:1924

Das Boxsportjahr 1924

…bringt neben den Problemen der vergangenen Jahre (Auseinandersetzungen DRfAB und dem DASV, Fragen der Regeleinhaltung bzw. Regelauslegung ) auch Erfolge und Neuigkeiten. Veränderungen waren nach dem Kampf Eckhardt und Drekopf im Rahmen der Meisterschaft notwendig , wo erst nach 10 Runden ein Sieger ermittelt werden konnte. Dort siegte jener Mann, der die größten Ausdauerpotenzen und Kraftreserven hatte, aber nicht der bessere Boxer. Das erforderte ein Nachdenken über die Punktwertung.

Auch Organisationsfragen der Meisterschaft (es musste ein ausreichender Zeitraum nach jedem Wettkampf für die Regeneration der Wettkämpfer gesichert werden, wenn mehrere Starts hintereinander erfolgten) brauchten eine Lösung. Trotzdem gab es unterschiedliche Boxregeln bei den verschiedenen Verbänden in Deutschland. So war das Regelwerk des Arbeiter-Athletenbundes anders. Sie starteten teilweise über 5 Runden. 1) Der DASV bestritt seine Meisterschaften vor 2000 Zuschauern in Augsburg. (Mitglieder anderer Verbände waren nicht zugelassen, somit waren es keine Deutschen Meisterschaften, obwohl später immer so bezeichnet). Die Kampfzeiten betrugen eine Zwei, Drei und Vier-Minuten Runde. Gab es dann noch ein „unentschieden“, so zählte für den Sieg das leichtere Körpergewicht 2). Die Meister in den einzelnen Gewichtsklassen wurden: (Fliegen- bis Schwergewicht)

Schwengler (Köln.Ehrenfeld), Ramminger (Pforzheim ), King (TV Augsburg), 
Handel (Stuttgart), Reich (TV Ausgburg ), Schmidt (TB München), 
Rieth (Pforzheim), Bogner (München)

Die Meisterschaftswettkämpfe des DRfAB in Chemnitz gewannen

Dübbers, Domgörgen, Malz, Eckhardt, Ewald, Riecke, Nispel und 
Haymann (gegen Schönewolf). 

In der Veröffentlichung : „Es begann 1842- 150 Jahre Sport in Essen“ wird behauptet, der Jüdische Boxer Erich Levi erkämpfte den 2. Platz bei der Deutschen Meisterschaft. Da er Jude war, ist er in keiner Siegerliste verzeichnet. Diesen Sachverhalt konnten wir nicht bestätigen.

Neben den Meisterschaften des DRfAB gibt die Höhepunkte der Landes- und Polizeimeisterschaften. Am 26. und 29. 09.24 fanden die I. Reichspolizeimeisterschaften in Leipzig statt. Sie wurden mit 6 Unzen Handschuhen und weichen Stoff-Bandagen ausgetragen; Meisterwürden erlangten:

Leichtgew.: Rutsch (Oldenburg), 
Weltergew.: Linne (Dresden), 
Mittelgew.: Löffler (Dresden), 
Halbschwer:gew.: Doll (Oldenburg), 
Schwergew.: Jansen (Münster). 

Im Rahmen dieser Veranstaltung fanden auch Kämpfe der Profis statt 3). Es gab Mannschaftsmeisterschaften auf unterschiedlichen Stufen. Doch auch die inhaltlichen Seiten der Abgrenzung von Amateur- und Berufssport sind sehr begrenzt. Eine große Rolle spielen im Amateursport die Herausforderungskämpfe. Sie sind ein Rest des Berufssports und dienen dazu, den Übergang zu den Profis zu erleichtern. Eine Anzeige aus der Boxwelt: „Adolf Schneider, Köln, Amateur, fordert jeden Amateur-Fliegengewichtler im Reich heraus. Er ist entschlossen, demnächst Berufsboxer zu werden.“4)

Die Gewichtsklassen der Amateure und der Berufsboxer sind weitgehend identisch5).

Gewichtsklasse			Berufsboxer			Amateur
Fliegengewicht			100 deutsche Pfund		102 Pfd.
Bantamgew.			108				107
Federgew.			115				114,5
Leichtgew.			123				123
Weltergew.			133				133,5
Mittelgew.			145				145
Halbschwergew.			159				159,5
Schwergew.		über 	159			über	159,5											

So gibt es Berufs - und Amateurkämpfe in einer Veranstaltung in Stuttgart 6) und auch die Veranstaltung um die Ostdeutsche Meisterschaft wird von privaten Geschäftsleuten ohne Lizenz organisiert. Dabei treten auch Amateure und Berufssportler in einer Veranstaltung auf 7). Es scheint typisch für die Zeit, dass „Manager“ mit unbekannten Leuten im Berufssport Geld verdienen wollten und die Zuschauer unter falschen Voraussetzungen zu diesen Veranstaltungen lockten. Anderseits werden die Amateure für die Werbung des Berufssports genutzt. Solche Veranstaltungen dienten keinem der beiden Verbände. Sie sind auf längere Zeit betrachtet schädlich. In jener Zeit jedoch war die Vielzahl der öffentlichen Wettkämpfe ein Werbefaktor, der eine weitere Stärkung des Boxsports brachte. Besonders der Mitteldeutsche Verband hatte fast 100 Vereine aufgebaut und wurde zu einem der stärksten Landesverbände.

Auch der jüdische Boxsport entwickelt sich weiter. In Leipzig wird nach längerer Trainingszeit der Sportverein Bar Kochba Leipzig mit einer öffentlichen Veranstaltung am 29. Nov. 1924 gegen den Polizeisportverein Leipzig und einem Sieg mit 7 : 3 in das Licht der Öffentlichkeit treten. Arno Thalmann verfasste ein 48 Seiten Büchlein mit dem Titel: “Das Boxen“ 8). In seinen Ausführungen geht er nicht über die bereits vorliegenden Bücher hinaus. Er kennzeichnet die Grundstellung die Schlagführung und Abwehrmöglichkeiten. Trainingsinhalte spielen eine untergeordnete Rolle.

International gibt es unterschiedliche Regelausführungen beim Boxsport. Beim Olympischen Turnier 1924 in Paris amtierte z. B. der Ringrichter von einem erhöhten Podest außerhalb des Ringes.


1) Boxwelt, 41/1924, S. 10
2) Boxwelt 40/1924, S. 7
3) Boxwelt 37/1924, S.13
4) Boxwelt 38/1924, S. 9
5) Boxwelt,21/1924,S.15
6) Vgl.: Boxwelt, 1924, Nr. 5, S. 10
7) vgl.: Boxwelt, 1924, Nr. 3, S.12
8) Verlag Kunst und Wissenschaft, Leipzig 1924
gs/a/1924.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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