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gs:a:1923

Das Boxsportjahr 1923

Die Festigung des Amateurboxsports in Deutschland und die Stabilisierung des Regelwerks waren Ziele des Wirkens im Boxverband. Bereits im Januar 1) werden die Ausschreibungen für die Deutschen Meisterschaften veröffentlicht. Zuvor werden die Meisterschaften der einzelnen Landesverbände ausgetragen. In Berlin darf jeder Verein in jeder der acht Gewichtsklassen zwei Teilnehmer stellen. In anderen Landesverbänden erfolgt eine Aufteilung in Bezirke und Gaue, um die Anleitung und Kontrolle zu erleichtern 2).

Da die Wettkämpfe auf Grund der noch relativ offenen Regelungen und der noch unzureichenden Technikentwicklung auch zu Verletzungen führten, gründete der Hamburger Boxverband eine Unterstützungskasse für beim Kampf verletzte Boxer. 3)

Die Zulassungsbeschränkungen für das Amateurboxen sind begrenzt. So darf jeder Reichsdeutsche (auch aus besetzten Gebieten) starten, wenn er die Amateureigenschaft besitzt oder einem Sportverein angehört. Die Meisterschaften 1923 bildeten den ersten Höhepunkt des Boxjahres. Nach den Qualifikationen, dazu dienten die Landesmeisterschaften der einzelnen Landesverbände, die bis zum 01.03. abgeschlossen werden mussten, begannen die nationalen Wettkämpfe. Für die Meisterschaften in Würzburg hatten 54 Kämpfer für die 8 Gewichtsklassen gemeldet. Ein großes Programm, wenn bedacht wird, dass die 3. Plätze ausgeboxt wurden.

Als die Amerikaner im Jan./Feb. 1923 aus Koblenz abzogen, hinterließen sie gut ausgebildete Koblenzer Boxsportler 4), die ihre Leistungsfähigkeit in mehreren Städtevergleichen demonstrierten. Denn nicht überall war der Boxsport so verbreitet. Im Land Brandenburg war Berlin das Zentrum, aber in vielen Städten wie Frankfurt/Oder, Prenzlau, Luckenwalde oder Potsdam fehlten Boxvereine. Deshalb sind die Berliner Vereine wie im Jahr zuvor wieder aufgerufen, Werbeveranstaltungen durchzuführen. Am 02.Februar 1923 fand eine solche Veranstaltung im Konzerthaus in Potsdam statt. Dort kämpften unter anderem die Amateure Wetzel und Brand über sechs Runden gegeneinander. Aber auch die Berufssportler gingen in der gleichen Veranstaltung in den Ring. Die Trennung von Amateur- und Berufssportlern war vorgesehen, aber an der Werbung waren beide Seiten gleich interessiert.

Die Polizei als Ordnungsmacht hatte sich ganz dem Boxsport verschrieben. Fanden am 06. Februar 1923 die Berliner Polizeimeisterschaften statt, gab es Anfang April weitere Vergleichskämpfe. Als Sensation wurden immer die Internationalen Damen-Box-Kämpfe in der Berliner Friedrichstraße angekündigt, aber ein Bericht dazu erfolgte nicht. 5) Der Boxsport galt als Männersport.

Eine Erfindung, die heute noch jeder Boxsportler schätzt, datiert auf das Jahr 1923. Der Kölner Curt Schindler bot für die Boxsportler den Mundschutz an. Doch es dauerte weitere 50 Jahre bis alle erkannten, dass ein Mundschutz nicht eine Behinderung, sondern eine Schutzfunktion ausübt. Es dauert immer einige Zeit, bis Neuerungen sich durchsetzen und Erfahrungen ausgewertet werden. In der Würzburger Tagung des DRfAB, dem ca. 300 Vereine angehörten, wurde festgelegt, dass bei Vereinswettkämpfen fünf Runden a 3 Minuten geboxt werden kann, gegenüber den anderen Wettkämpfen, wo der Wettkampf auf 3 x 3 Minuten festgelegt war. Der Antrag auf die Einführung der 6 Unzen-Handschuhe wurde abgelehnt. Die Amateure kämpften weiter mit 8 uz Handschuhen. Doch über die Länge der Rundenzeiten war man sich noch nicht klar. So überlegte Mandlar 6) ob 3 oder 5 Runden für alle Kämpfe eingeführt werden sollten. Die Drei- Runden-Regel setzte sich aber durch.

Das Jahr 1923 ist nicht nur durch die Inflation geprägt, wo die Zeitung „Der Box-Sport“ im Mai 1923 800.- Mark kostete, sondern auch durch das Auftreten neuer Sportgruppen. Der jüdische Boxclub Maccabi tritt am 07.Novenber 1923 in Berlin an die Öffentlichkeit. 7)


1) Heft 120, vom 19.01.23, S.10
2) vgl.: Süddeutscher Amateurboxverband
3) vgl.: Boxsport 1925, Nr. 225, vom 16.01.25, S.15
4) vgl.: Boxsport, Nr. 121, vom 26.01.23, S. 10
5) Vgl.: Boxsport Nr. 121, vom 26.01.23, S.12
6) Boxsport Nr.: 168, vom 20.12.1923, S. 2
7) Vgl.: Box-Sport Nr. 163, vom 16.11.1923, S. 6
gs/a/1923.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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