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gs:a:1921

Der Boxsport im Jahre 1921

Boxclub Stettin gegen Alt Wedding 1883 Berlin

Der Boxsport erreicht in diesem Jahr erstmals breite Bevölkerungskreise. Auf der einen Seite gibt es viel Vergleiche der einzelnen Boxclubs untereinander. So der Boxclub Stettin gegen den Sportverein Astoria Berlin Es kämpfte ein Auswahl Bremens gegen Koblenz, Kämpfe in Frankfurt/Main, Hannover, Freising, Leipzig, Gießen und Breslau.

Dass die Hochburgen des Boxens nicht nur die großen Städte wie Berlin oder Hamburg sind, zeigt Eilenburg. Mit ca. 15 000 Einwohnern eine kleine Stadt, die aber bei Boxkämpfen der einheimischen Staffel bis 5 000 Zuschauer auf die Beine bringt. Beliebt sind die Pokalkämpfe. Das sind Mannschaftskämpfe, die der Deutsche Reichsausschuss für Amateurboxen ( DRfAB ) aber auch einzelne Landesverbände aus schrieben. Um den Silberpokal des DRfAB gab es Ausscheidungskämpfe, so standen sich 1921 Stettin und Berlin gegenüber.

Die Rundenzeiten waren wie in den vergangenen Jahren geblieben. Es wurde zu 2 mal 3 Minuten und 1 Mal zu 4 Minuten gekämpft. Wenn in dieser Zeit keine Entscheidung gefallen ist, wird eine alles entscheidende 4. Runde geboxt.

Und das nicht nur in der Meisterschaft bei Spitzenkönnern, sondern auch bei nicht so sehr trainierten Sportlern. So wird von einer Veranstaltung : „Berliner Amateurboxer in Jüterbog“ vom 15. Okt. 1921 berichtet 1), dass unter der Leitung des Jüterboger Sägemühlenbesitzers der Boxring aufgestellt wurde für die 5 Boxerpaare, die in Heiners Bürgergarten über 3 Runden zu 3 Minuten gegeneinander antraten. Zum Preis von 3.- und 5.- Mark kamen viele Zuschauer. Sie konnten dann auch den Kampf im Mittelgewicht zwischen dem Berliner Daniel gegen Vogels – Jüterbog – sehen, der erst durch eine Zusatzrunde entschieden wurde. Diese Veranstaltung war eine Werbeveranstaltung für den Boxsport, wobei sich unter anderem die Berliner Vereine bemühten, dem Boxsport auch im Umland eine feste Heimstätte zu geben.

Die Boxverbote durch die Polizei gehörten der Vergangenheit an. Bereits am 8. September organisierte der Sportverein der Schutzpolizei in den Maikäferkaseren in Berlin einen Boxwettkampf unter der Leitung von Hauptmann Sander. Es gab viele Zuschauer. In den Pausen zwischen den Kämpfen spielte eine Musikkapelle. Die Kämpfe wurden zu 5 Runden a 3 Minuten ausgetragen. Die Berliner Boxlehrer fungierten als Kampfgericht. 2) Innerhalb der Polizei begann die Austragung von Meisterschaften. Die Berliner und die Hannoverische Schutzpolizei begannen am 5. November und die Hessen am 1. Dezember mit diesen Wettkämpfen. Es gab nicht nur eine Mannschaft in Berlin. Auch die Polizei –Gruppe –Mitte hatte unter dem Trainer Wieprecht mit Elsner. Geikowsky, Fischer, Wanjura, Schulz, Ballerstädt und Nuck eine eigene Wettkampfmannschaft. Die Cöpenicker Boxabteilung mit ihrem Trainer W. Buckszun wurde im Boxsport 1921, Heft 59, S. 9 vorgestellt.

Der Boxkampf blieb nicht nur den Männern vorbehalten. Auch Frauenboxkämpfe fanden statt. Bereits im Zirkus Krone und im Varietee soll es Frauenboxkämpfe gegeben haben. Der DRfAB stellte deshalb den Antrag an das Kultusministerium, Frauenboxen zu verbieten. Für den deutschen Ring waren Frauenboxkämpfe etwas Neues. Aber sie fanden in den Berliner Varietees und in Hamburg statt. Dort waren die Kampfverläufe abgesprochen.

Frauen Ringer- und Boxmannschaft

Als der Boxsport sich in England verbreitete, griffen auch Frauen zum Handschuh. Selbst Berufsboxkämpfe der Frauen wurden von 1700 bis in das 1800 ausgetragen. So kämpften in Brailsfort MRS. Ruff und Moll Glass gegeneinander (1799 ). Ein anderer Wettkampf fand bereits 70 Jahre früher statt, dort kämpften für 3 Guineas Elisabeth Wilkonson und Hannan Highfield gegeneinander. Doch in Deutschland war das offizielle Frauenboxen verpönt.

Die besondere Lage in Deutschland war gekennzeichnet durch die Niederlage im 1. Weltkrieg und in deren Folge durch die Besetzung von Teilen Deutschlands. Hier diente der Sport als ein Mittel, um die Gegensätze für die Beteiligten zu minimieren. So veranstalteten die Amerikaner in Koblenz an jedem Donnerstag Boxwettkämpfe, die zu Freundschaften von Deutschen und Amerikanern führen 3).

Auch die Sportvereinigungen der Betriebe bildeten Boxsportgruppen. So hatte die Sportvereinigung Siemens 15 Wettkampfboxer, in der Hannoverschen-Waggonfabrik-Aktiengesellschaft trainierte eine Sportgruppe Boxen 4). Da ein sportlicher Nachwuchs nicht schnell heranwächst, sondern über längere Jahre betreut und ausgebildet werden muss, war es nur verständlich, wenn bereits im Kindes- und Jugendalter mit dem Boxsport begonnen werden konnte. So wird vom Berliner Boxverband berichtet, dass er Kinder von 6 – 14 Jahren in das Training einbezogen hatte 5). Für diese Altersgruppe fand am 1.11. 1921 ein lokales Berliner Jugendturnier statt.

Mit den Erfahrungen in der Trainings- und Wettkampfgestaltung konnten auch Rückschlüsse auf das Regelwerk gezogen werden. So gibt es im Verlauf des Jahres unterschiedliche Ansatzpunkte für die Regelgestaltung. Die Gewichtsklassen waren wie folgt festgelegt:

Fliegengewicht bis 100 Pfund 
Bantam bis 106 Pfund
Feder bis 114 Pfund
Leicht bis  122 Pfund
Welter bis 132 Pfund
Mittel bis  144 Pfund
Leichtes Schwergewicht bis 160 Pfund
Reguläres Schwergewicht über 160 Pfund

Die Gewichtsklasseneinteilung der „ International Boxing Union“ orientierte sich an dem englischen Pfund und wich damit etwas ab. Für den Berufssport festgelegt waren entsprechend der Gewichtsklassen unterschiedliche Boxringgrößen. Für Fliegen- bis Leichtgewicht galten 5 m, von Welter- bis Halbschwergewicht 5,40 m und für die Schwergewichtler 6 m. Auch die Handschuhgewichte waren unterschiedlich. Bis Leichtgewicht waren 4 Unzen (114 Gramm), bis Halbschwergewicht 5 und im Schwergewicht 6 Unzen verbindlich. 6) Diese Reglung setzte sich bei den Amateuren nicht durch.

Da die Punktrichter noch nicht ausgebildet waren, sondern auf Erfahrung setzten, gab es Unregelmäßigkeiten. Sie sollten in jeder Runde bewerten: Angriff, Trefferzahl, Härte, Taktik, Verteidigung. Neu war, dass der Sportwart die Möglichkeit erhielt, den Kampf abzubrechen, wenn die Gesundheit nicht gesichert war. Geboxt wurde über 3 mal 3 Minuten. Gab es bis dahin noch keine klare Entscheidung, konnte der Ringrichter eine Zusatzrunde von 2 Minuten anhängen. Bei Herausforderungskämpfen konnte die Rundenzahl bis 10 erhöht werden.

Internationale Wettkämpfe hatten eine Kampfzeit von 6 mal 3 Minuten. Auch die Kultur im und am Ring wurde verändert. So war unter anderem das Ausspucken im Ring seit 1921 verboten.

Die Amateurboxmeisterschaften des DRfAB zeigten, dass die Berliner Boxer in diesem Verband das Niveau bestimmten. Denn von den Siegern kommen fünf Wettkämpfer aus Berlin.Vier davon von Heros 03. Es siegten: Fliegenge.: Kohler/Heros Berlin Bantamge.: Lohe/Heros Berlin Federge.: Watterich/Koblenz Leichtge.: Funke/ Heros Berlin Welterge.: Kaube/Heros Berlin Mittelge.: Domgörgen/Köln Halbschwerge.: Kupsch/Berlin Schwerge.: Schmitt/Mainz

In der Entwicklung nach dem Kriege ist zu verfolgen , dass gute Amateure Berufssportler werden wollten. In den deutschen Nachbarländern gab es bereits bei den Berufsboxern Meisterschaftskämpfe in fast allen Gewichtsklassen. In Deutschland allerdings nur in fünf Gewichtsklassen. Viele wollten sich in diesem „Beruf“ ihr Geld verdienen, doch nicht alle konnten in der anderen Welt bestehen. Der DRfAB erkannte das und wollte gute Sportler in seine Reihen zurückholen. Deshalb konnte nach dem Beschluss vom 05.12.1920 eine Reamateurisierung erfolgen, wenn ein Antrag eingereicht worden ist und der Antragsteller die Amateurbestimmungen als verbindlich anerkannte.

Und noch ein großer Sieg gelang den Amateurboxern. Nach jeder Veranstaltung musste bisher eine Vergnügungssteuer gezahlt werden. Nun aber konnte der Boxsport von den Steuerzahlungen nach Veranstaltungen befreit werden.

Der Sportwart des DRfAB Hans Bötticher, veröffentlichte in „Drei Runden“ 7) grundsätzliche Positionen für das Boxtraining. Er stellte die englische und amerikanische Methode des Boxens vor. Sie zeigen von der Grundstellung, über die Techniken und deren Abwehr auch verbotene Handlungen. Es folgen Ernährungshinweise und Tipps für die psychische Betreuung.

Im Rahmen der staatlichen und gesellschaftlichen Erkenntnisse, dass der Sport – auch der Boxsport- vielfältigen gesellschaftlichen Zielen dienen kann, beginnt eine Ausbreitung des bis dahin benachteiligten Sports wie in kaum einer anderen Zeit in Deutschland. Für das Deutsche Reich erfasste der DRfAB im Jahr 1921 194 boxsporttreibende Vereine, mit 15 000 Mitgliedern. Sie hatten vom Januar bis September 181 Veranstaltungen durchgeführt. Nicht erfasst sind damit die Veranstaltungen anderer Verbände.


1) vgl.: Box-Sport Nr. 56, vom 6.10.1921, S.11
2) Boxsport 1921, Heft 59, S.9
3) Boxsport Nr. 60, 1921, S. 7
4) Boxsport 1921, Nr. 57 S.10
5) vgl.: Boxsport Nr. 66/67 vom 21.12.1921 S. 22
6) Boxsportalmanach, Verlag Rebaissance, 1921
7) Becker Verlag Berlin, 1921
gs/a/1921.txt · Zuletzt geändert: 2012/10/21 19:58 von je

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