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Jüdische Boxer in Deutschland

Der Sport war in der Geschichte des Judentums nur dort zu finden, wo es um Zielsetzungen ging, die nicht rein Jüdischen Ursprungs waren. Der Sport fand in jenen Gebieten Einfluss auf das jüdische Leben, wo der Druck einer anderen Kultur besonders groß war. 1)

Der erste jüdische Herrscher, der den Sport förderte, war Herodes der Gr. (zwischen 37 und 4 nach Ch. ). Er ließ Stadien errichten und führte eine Olympiade ein, die alle fünf Jahre stattfand. Auch im Mittelalter fand die sportliche Betätigung der Juden in dem Land, in dem sie lebten, statt. Bei der ersten Olympiade der Neuzeit konnten sich sechs jüdische Sportler über 13 Medaillen freuen. 2) Das war eine Schritte, mit denen gezeigt wurde, dass jüdische Menschen genauso so leistungsfähig seien, wie andere.

Auch im Boxsport waren die jüdischen Sportler erfolgreich. So wurde der Name Lyons 1769 in England genannt. Im Jahre 1790 ist der Name des Schwergewichtsmeisters von England Mendoza eng mit der Entwicklung des Faustkampfes und der Regeln verbunden. Eine lange Namensliste ließe sich erstellen, um hervorragende Jüdische Faustkämpfer zu nennen. Auf dem 5. Zionistenkongress erfolgte eine Orientierung auf das Muskeljudentum. Danach stieg die Zahl der sich sportlich betätigenden Juden auch im Rahmen der allgemeinen Sportausbreitung an.

Die Entwicklung des Amateurboxens fand Eingang in die Sportwelt jüdischer Sportler. So ist nach dem 1. Weltkrieg bereits in der Turnabteilung Bar Kochba Berlin eine Boxabteilung entstanden. Der Boxfreund Bruno Goldstein überzeugte den Box- und Turnlehrer Zitrin der mit seiner Mannschaft Bar Kochba verlassen sollte um einen eigenen Boxklub zu gründen.

Daraus entstand im August 1922 in der Turnhalle der Realschule in der Auguststraße der jüdische Boxklub Makkabi Berlin 3). Über 25 Teilnehmer wählten den Vorstand: Die Wahl des ersten Vorsitzenden gewann Dr. Hugo Bernhardt. Die ersten Trainer und Sportwarte waren Bruno Goldstein und Martin Zitrin. 4) Ein Jahr nach der Gründung, im Herbst 1923, konnte der erste Wettkampf gegen den Breslauer Boxklub Vorwärts ausgetragen und mit 3:2 durch die Kämpfer Wandt, Zwiebel, Teschner, Weisskind und Preiß gewonnen werden. Als Trainer Goldstein 1925 in der Halle einen Herzinfarkt erlitt, war das ein großer Verlust für den Berliner Boxsport. Als Andenken an B. Goldstein stiftete seine Gattin einen Pokal, der jährlich ausgetragen wurde. Hervorragende Boxer gingen aus den Reihen der Makkabi Sportler hervor. Zu nennen wären unter anderem:

Jakob Malz, Leichtgewichtler und mehrmaliger Berliner Meister 
Max Buchbaum, Mittelgewichtler und auch mehrmaliger Berliner Meister

Zur ersten Berliner Kampfmannschaft gehörten unter anderem:

Herbert Ball, Jule Balsam, Otto Friedländer, Sami Neumann, Leo Gutmann, 
Charly Weiner, Herrmann Weiskind und Willi Preis.

Anfang der 30er Jahre wurde die Kampfkraft des Vereins durch eigene Nachwuchsleute und durch Zuwanderungen aus anderen Städten verstärkt durch die Sportler: Noschkes, Brantwein, Kornfeld, Batist und Stadtländer 5). Doch nicht nur der jüdische Sportbund Makkabi förderte den Boxsport, sondern auch der am 26.04.1925 gegründete Sportverband Vintus der Interessengemeinschaft des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Die Mehrheit der jüdischen Sportvereine gehörte im Westen Deutschlands dem Vintus an 6).

Einer der erfolgreichsten Sportler, der Schwergewichtler Erich Levi von Hakoah Essen, erreichte den 2. Platz bei dieser Meisterschaft von Vintus.

Die Sportbetätigung ging auch nach 1933 eigenständig weiter. So führte der Verband 1934 Reichsmeisterschaften durch, die auch 1935 von den 23 Vereinen getragen wurden.


1) vgl.:Schoeps, J.; Neues Lexikon des Judentums, Bertelsmann Verlag o.J.
2) ebenda
3) vergl.: Schilde, Kurt: Mit dem Davidstern auf der Brust, Sportjugend Berlin 1988, S. 14 ff
4) Vgl.: Atlasz, Robert. Bar Kochba, Israel 1977
5) Vgl.:Atlasz, a.a.O.: S.73 ff
6) vgl.: Lewinson, Fritz, A.: Die Jüdsiche Sportbewegung, Kulturamt der Stadt Essen, Hg. Stationen Jüdischen Lebens, S. 120 ff
gs/a/03.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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