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Der Boxbeginn in Deutschland

Aufzeichnungen über den Beginn des Boxsports, des Amateursports gibt es wenige, auch wissenschaftliche Arbeiten fehlen. Jedoch machte die internationale Entwicklung des Faustkampfes keinen Bogen um das Deutsche Reich. Doch nach Carl Euler 1) spielte der Faustkampf auch in den vorausgegangenen Jahren eine Rolle. So soll der Bergerio den Faustkampf für die Unterweisung der Jugendlichen gefordert haben, und auch Auerswald und Arndt (1769 – 1860 )

Kotzebue schrieb 1848 ein Theaterstück zum Faustkampf, das wohl beim Gespräch zwischen Goethe und Eckermann eine Rolle spielte, aber sonst kaum wahrgenommen wurde. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte sich das englische Wort „Boxen“ durchgesetzt und das deutsche Wort „baxen“ verdrängt 2).

Ähnlich verhielt es sich mit den Vorschlägen von Vieth, der das Boxen mit gefütterten Handschuhen als Bildungs- und Erziehungsmittel für die Jugend einsetzen wollte. 3) Es dauert noch einmal viele Jahre, bis das erste Boxbuch 1863, „Die Boxkunst“ von J.Happel erschien. Er beschreibt Stöße oder Schläge mit Händen und Füßen und deutet ein Sportkonzept an.

1881 folgte das Buch von Turn– und Fechtmeister Carl Kapell : „Das Boxen“. Es ist eine Ableitung aus englischen Vorbildern.

Euler beschreibt im „Handbuch des gesamten Turnwesens“ 4)das Boxen wie folgt : “Boxen heißt: sich gegen einen Angreifer verteidigen durch Deckungen, Schläge oder Stöße mit der Hand oder mit dem Fuße.“ 5) Er bietet folgende Boxarten an: Boxen, Stoßboxen, Schlagboxen, Handboxen, Fußboxen, Handstoßboxen, Handschlagboxen, Fußstoßboxen, Fußschlagboxen und Kombinationen zwischen beiden Arten. 6)Er folgt damit den vorausgegangenen Veröffentlichungen.

Als der Hamburger Athletenklub „Löwe“ 1899, am 09.Juli Boxwettbewerbe veranstaltete, die im internen Kreis ausgetragen wurden, war das ein Anfang. Vier Kampfpaare traten an und kämpften in unterschiedlichen Gewichtsklassen um den Sieg. Obwohl der Deutsche Athletiksportverband von 1891 für 1902 860 Vereine registrierte, die sich mit Gewichtheben, Ringen, Boxen und schweren Wurfübungen beschäftigten, sind noch keine reinen Boxabteilungen verzeichnet.

Seit 1880 soll sich das Boxen in Deutschland in den Hafenstädten ausgebreitet haben, das die Matrosen in England kennen lernten. Der Hamburger Schriftsteller Adolph Wittmaack organisierte 1905 im „Allround-Athletik–Club eine Gruppe von Boxbegeisterten. Diese soll Boxen bis 1906 betrieben haben und löste sich dann wieder auf. 7) Auch in diesem Buch lehnt sich der Verfasser an die vorliegenden Veröffentlichungen aus dem Ausland an.

Im gesamten Deutschen Reich entstanden vereinzelt Boxsportvereine, so unter anderem in Hamburg. in Köln, Düsseldorf, Stettin, Berlin und Breslau. Genau lässt es sich schwer festhalten, da die Angaben und Zeitpunkte auseinanderdriften. So ist im Boxsport Nr. 570, S.2 unter: Deutsche Boxpioniere zu lesen, dass Ferchow am 1. September 1910 gegen Kapitzke im Leichtgewicht antrat und Ende November kämpfte er gegen einen Rumänen im Lehrervereinshaus um die Deutsche Meisterschaft.

„Das Boxen und die Stadt München“ war ein Artikel überschrieben, den „Das Bayernland“ 1911 auf der Seite 270 veröffentlichte. Darin ist der Hinweis zu finden, dass bereits 1905 in einigen Athletikklubs trainiert wurde und Schaukämpfe für die Mitgliedergewinnung stattfanden. Der Sport fand Zuspruch für ein „auserlesenes „ Publikum 8) und war um 1911 in mehreren Sporthallen zu erlernen.

Aber auch die Berliner Sportler bemühten sich um die Bildung eines Verbandes trotz des Boxverbotes, das bis 1908 galt - erlassen in Berlin nach dem Profikampf Eberle / Kochim im Biergarten Kistenmacher, wo nach dem Kampfurteil Bierseidel flogen, die fast den Kronprinzen trafen. Bereits 1910 lernten die Berliner Erich Liedtke und Rudolf Schröder bei Meister Legard im Boxclub Bobby Dobbs dem Boxsport kennen. Im Boxsport Nr. 379 von 1928, Seite 16 wird von Heros Berlin berichtet, dass seit 1903 Ringen, Heben und Boxsport organisierte. Die Sportler trafen sich in Kneipen zur Durchführung des Sports, was zu einer moralischen Abwertung des Sports, zu einer gedanklichen Verbindung von Boxsport und Kneipe führte. Gleichzeitig nannten sie sich Studentenabteilung, um keine Differenzen mit der Polizei zu bekommen. Die erfolgreichsten Kämpfer dieser Zeit von Heros waren Otto, Mattul, Hoffmann und Karbol.

Die Illustrierte Boxzeitung vom 13.Februar 1910 berichtete über die vom Verein für Körperkultur und dem neu gegründeten Deutschen Box-Verband durchgeführten Meisterschaften, wo harte Schläge verboten waren. Es war ein Versuch, sich vom Berufssport (Rummelboxen) abzugrenzen.

In dem Buch von Joe Edwards: „Boxen-Ein Fechten mit Naturwaffen“, 9), wird auf die Übungsmöglichkeit in der Englischen Straße 27 in Berlin-Charlottenburg verwiesen. Hier sind auch „Regeln für die deutschen Amateurmeisterschaften im Boxen“ veröffentlicht.

Neben den Bestrebungen zum Aufbau des Boxens in Berlin, wurden auch Verhandlungen des 1. Hamburger- Boxing–Club mit fünf Berliner Vereinen zur Gründung des Deutschen Boxverbandes geführt, der seine Geburtsstunde am 4. März 1911 hatte.

Schon am 05. März 1911 fanden in Berlin die ersten Amateurmeisterschaften im „Weißen Hirsch“ von Charlottenburg vor ca. 100 Zuschauern statt. Das Kampfgericht bestand aus erfahrenen Sportlern.

Erste Berliner Meister in den einzelnen Gewichtsklassen wurden:

Federgewicht bis 115 Pfund – D. Netzler vom Anglo-American- Boxing Club Berlin
Leichtgewicht bis 125 Pfund – Richard Strauß vom Wiener Athletik Club
Mittelgewicht bis150 Pfund - Paul Mond, Anglo-American-Boxing-Club Berlin
Schwergewicht  über 150 Pfund -Rudolf  Dres, Berliner FC „Preußen“

Am 11. November 1911 bildete sich der Berliner Boxverband 10). Dieser Verband stellte Satzungen und 24 Wettkampfregeln auf, die genehmigt wurden. Sie enthielten unter anderem eine Verbot des k.o., um den zahlreichen Gegnern des Boxsports das Argument der Rohheit im Boxsport zu nehmen. Für den praktischen Gebrauch wurden Hilfen angeboten. So unter anderem eine Pause nach einem Niederschlag, aber auch die Möglichkeit des Abbruchs und der Disqualifikation.

Gekämpft wurde im Allgemeinen über eine Zeit von 4 Runden zu je 3 Minuten, mit einer Zusatzrunde von 2 Minuten, wenn der Kampf bis dahin noch nicht entschieden war. Doch Kämpfe konnten auch bis zu 10 Runden umfassen.

Drei Jahre später bildete sich ein Freundeskreis, der den Boxsport pflegte. Der Deutschamerikaner Erich Winkelmann, ein begeisterter Boxsportanhänger, stellte ihnen in Berlin, Am Friedrichshain 23, eine Trainingsstätte zur Verfügung. Auf Anregung Winkelmanns gründeten diese Sportfreunde am 01.Nov. 1913 den „Boxring-Club Berlin 1913“. Die Ausstattung des Clubs bestand aus zwei Paar Handschuhen. Die Berliner Polizei genehmigte nicht die vorliegenden Satzungen. Um die Genehmigung zu erhalten, tauschten die Sportfreunde das Wort Boxring gegen das Wort Athletik aus und betrieben den Boxsport.

Nach der 1. Deutschen Meisterschaft in Hamburg bildeten sich in vielen Städten Boxvereine und Verbände. Im Rheinland entstand unter der Leitung von Krahn der Westdeutsche Amateurboxverband, dem sich Kölner Vereine (Kölner Turnverein von 1843, SC Colonia, SC Olympia) und der Düsseldorfer SC Athen anschlossen. Die Organisation des Amateurboxens in Deutschland erhielt durch die Bildung von Unterverbänden auf Landesebene eine Stabilität. Der Westdeutsche Amateurboxverband konstituierte sich in Köln.

„Im Jahre 1913 beteiligten sich schon deutsche Amateure an internationalen Wettbewerben. Der bekannte Otto Matull (Heros 03 Berlin), ….konnte in Dänemark einen Sieg erringen…“ 11). In Frankfurt am Main waren der Verein für Herrenboxsport und der Box-Club Frankfurt die Zentren. Aber auch der Stettiner Sport – Club, der Magdeburger Sportverein Victoria und der LC Marathon Leipzig, der SC Alt-Wedding und der SC Heros aus Berlin unterstützten die Boxentwicklung.

Über den Aufbau des bayerischen Faustkampfsports berichtete J. Michler, dass es bereits Anfang der Neunziger Jahre es erste Versuche und Hinwendungen zum neuen Sport gab. Ab 1905 gab es in der Gaststätte Isarlust mehrmals in der Woche Übungsabende und Schaukämpfe, die fester Bestandteil von Vereinsfesten wurden. Vor 1910 betrieben folgende Münchener Vereine Boxsport : Männerstemmklub, Kraftsportriege des Männer-Turnvereins von 1879, Athletik-Sportklub Herkules und der Sendlinger Athletenclub. Auch private Vereinigungen unter der Leitung des Sportsmanns Pferdekämpfer übten in der Sporthalle des Schwabinger Turnvereins. Eine Boxschule, geleitet vom Amerikaner Williams, in der Schönfeldstr. erteilte ebenso Unterricht, wie die von Dr. Kalb, Elisabethstr. 6, errichtete Trainerschule (um 1911). Das waren alles Veranstaltungen ohne ein festes Gefüge eines Verbandes. In Hamburg veranstalteten der Hohenfelder Sport-Club, der Elmsbüttler Turnverein, SC Roland, aber auch der Hamburger St. Paul-Turnverein Boxvergleiche. So starteten bei den Wettkämpfen des Eimsbüttler –Turnvereins im September 1913 Leipziger, Stettiner und Kölner Boxer 12)

Am 27.September 1913 fand in Hamburg der 1. Verbandstag statt, der sich mit Satzungsfragen und der Überarbeitung der Wettkampfbestimmungen, aber auch mit ersten Kontakten nach Dänemark, England und Frankreich beschäftigte. Die 2. Deutschen Amateurmeisterschaften wurden am 14. Dezember 1913 im Curio-Haus in Hamburg ausgetragen. Im vollbesetzten Haus traten 26 Kämpfer an. Den „Deutschen Meistertitel“ errangen:

  • Mindergewicht ( unter 105 Pfund ) Paul Hauschke, Stettiner Sport-Club
  • Federgewicht ( bis 115 Pfund ) E. Buroh , SC Roland Hamburg
  • Sondergewicht (bis 125 Pfund )J.Schmidtke, Verein Für Herrenboxsport Hamburg
  • Leichtgewicht (bis 135 Pfund ) H.Bahlendick, SC Roland Hamburg
  • Zwischengewicht (bis 145 Pfund ) G.H.Heß, Verein für Herrenboxsport Hamburg
  • Mittelgewicht (bis 158 Pfund ) G. Henkel, Hohenfelder Sportklub Hamburg,

dieser Kampf endete nach 2 Zusatzrunden unentschieden und der Sieger wurde durch Losentscheid ermittelt.

  • Halbschwergewicht (bis 168 Pfund ) A.W. Turner, Verein für Herrenboxsport Hamburg
  • Schwergewicht (über 168 Pfund ) A.W. Turner, Verein für Herrenboxsport Hamburg

In der Boxwoche 1931, Nr. 377, S 10 wird berichtet, dass die Wettkämpfe nach den französischen Regeln für Savatewettkämpfe ausgetragen wurden. Auch andere Siegernamen werden genannt, so im Federgewicht: Paul Jorns, im Sondergewicht Helmuth Kapitzke, im Leichtgewicht Johann Schmidtke, im Mittelgewicht Fred Sorge, im Schwergewicht gab es keinen Bewerber.

Die Meisterschaften für 1914 erhielt auf dem anschließenden Verbandstag der Westdeutsche Boxverband. Aber auch Richtlinien für die Steigerung der Wettkampfleistung wurden erarbeitet, internationale Vergleiche geplant und Grundlagen für die Meisterschaftsdurchführung erstellt. Das IOC beschloss auf dem Kongress im Juli 1914 endgültig Boxen in das Programm der Olympischen Spiele aufzunehmen. Die deutsche Boxer erhielten den Auftrag, die Vorbereitung und Durchführung der olympischen Boxkämpfe vorzubereiten, die 1916 in Berlin stattfinden sollten. Da die staatliche Genehmigung noch nicht sicher zu erwarten war, wurde gleichzeitig als Alternative eine internationale Boxveranstaltung in Hamburg ins Gespräch gebracht.

Der Boxsport in Hamburg

Das Jahr 1912 ist eigentlich die Geburtsstunde des Amateurboxens in Deutschland. Denn mit der Gründung des Deutschen Boxverbandes 1912 in Hamburg entstand die erste Organisationsstruktur, die für den Amateursport einheitliche Regeln und Gewichtsklassen festlegte. Die Leitung übernahm der Hamburger Gustav Heß. Noch im gleichen Jahr wurden auch die ersten Deutschen Meisterschaften veranstaltet. Die ersten deutschen Amateurmeister wurden in sieben Gewichtsklassen ermittelt, da das Schwergewicht nicht besetzt wurde. Die ersten Deutschen Amateurboxmeister: Der in Stettin trainierende P. Hauschke im Mindergewicht (bis 105 Pfund ), 52,5 kg. Der Hamburger O.Jörn im Federgewicht (bis 115 Pfund) 57,5 kg. Der Boxringklub Berlin nennt in seiner Vereinsgeschichte 13), S2 - Erich Toepel als Federgewichtsmeister Der Berliner H.Kapitzke wurde Meister im Sondergewicht (bis 125 Pfund) 62,5 kg. In den folgenden Gewichtsklassen waren es die Hamburger, die den Meister stellten. Im Leichtgewicht (bis 135 Pfund ) 67,5 Kg J.Schmidtke Im Zwischengewicht (bis 145 Pfund ) 72,5 kg , G.H.Heß Der Präsident des Deutschen ( Hamburger)Boxverbandes. Im Mittelgewicht bis (158 Pfund ) bis 79 kg F. Sorge und im Halbschwergewicht ( bis 168 Pfund ) 84 kg A. W. Turner. Mit Kriegsbeginn brach der Sportbetrieb zusammen, da die Mitglieder Militärdienst leisteten. Als der Verwundete Hans Piontek 1917 nach Berlin zurückkehrte, belebte er das Boxen, bis er wieder eingezogen wurde. Die Boxer haben aber nach einer Meldung des Box-Sport vom 05.01.1922 auch in der Zeit des Weltkrieges Veranstaltungen durchgeführt. So wird vom Adolf Wiegert berichtet, dass er 1914,1915, 1916 und 1918 an Wettkämpfen teilnahm. 14)

In der britischen Gefangenschaft im Internierungslager, der Insel Man und in anderen Teillagern, lernten die deutschen Kriegsgefangenen den englischen Boxsport kennen. So unter anderem die später bekannten Boxer Breitensträter, Abele, Dubois, Wiegert, Koch. Doch die These, dass der Boxsport nur auf diesem Wege seine entscheidende Verbreitung gefunden hat, ist nicht zu halten, (Wiegert bereits in den Kriegsjahren Meister in Deutschland) denn auch in Frankreich wurde geboxt (wenn auch überwiegend in einer anderen Form) und in Dänemark.

Nach dem Krieg hatte Berlin mit der Wahl einer neuen Trainingsstätte, die recht gut ausgestattet war, regen Zulauf durch erfahrene Boxer. Der Verein Boxring-Club Berlin hatte 1919 bereits 57 Mitglieder. (ebenda ) Gleichzeitig fanden in Berlin Berufsboxveranstaltungen statt. Vielleicht waren sie auch die Tests für die öffentliche Durchführung des Boxens nach dem Krieg. Im Januar 1919 traten bei einem Hallensportfest im Berliner Sportpalast auch Boxer auf. Dort startete unter anderem Fred Krüger (Amateur) gegen eine schwereren Mann. Der SC Heros 03 Berlin, vertreten durch Herrn Boetticher, lud für den 24. Mai 1919 in den Weihenstephan in der Berliner Friedrichstraße zur Gründung eines Boxverbandes ein. Da sich nur wenige Interessierte einfanden, wurde die Tagung verschoben. Doch auch zum nächsten Treffen erschienen nur wenige Vertreter, so die Herren von Heros: Boetticher, Lager, Bülow, Wieprecht; vom Sportverein Astoria: Mandlar, Pusch, Rößler, Mind, vom BSC Graumann und der BCB wurde durch Kautz und Liedtke vertreten. Die Schwerathleten waren durch den Geschäftsführer R. Preuß beteiligt und auch ein Mitglied des Arbeiter-Athleten -Bundes nahm teil. Nach Diskussionen, ob mit den Schwerathleten zusammengegangen werden sollte, oder eine Arbeitsgemeinschaft die Berliner Verbände zusammenfasste, entschied man sich auf Drängen Mandlars zur Bildung des Berliner Boxverbandes. Die erste Veranstaltung des Berliner Boxverbandes fand in Halle statt. Berlin stellte unter anderem die Boxer: Kressin, Sasse, Wieprecht, Dautz und von Koeding. 15) Am 27. Juni erfolgte dann der erste offizielle Start der Berliner in der viel zu kleinen ausverkauften Heroshalle in der Lüneburger Straße. Aus Anlass dieses guten Starts verfasste Mandlar zum Jahresende einen Aufruf zur Gründung eines Deutschen Reichsausschusses für Amateurboxen.

Doch das Echo auf diesen Aufruf war noch zu gering. So wurde die Gründung verschoben. Unter der Leitung von Erich Mindt erschien im November 1919 die erste Ausgabe des „ Faustkampf“. Nach dem Kriege gingen die entscheidenden Impulse im Amateurboxsport von Berlin aus. Das Verbot zur Teilnahme von Berufssportlern an Amateurveranstaltungen, die technischen Richtlinien und auch die organisatorischen Grundlagen waren der Grundbaustein für den im Dezember 1920 in Berlin gegründeten Deutschen Reichsausschusses für Amateurboxen. Für den 5. Dezember 1920 hatte Mandlar zur Gründung des DRfAB eingeladen. Gleichzeitig mit der Einladung verbunden war eine Ausschreibung für die Deutsche Meisterschaft. So wurden die Funktionäre und die Aktiven nach Berlin gezogen. Der Gründungskongress legte einheitliche Kampfregeln und Gewichtsklassen für ganz Deutschland fest. Die Organisation des Boxsports erfolgte über neun Landesbezirke. Der Kongress wählte folgenden Vorstand:

1.Vorsitzender: Mandlar, Berlin
2.Vorsitzender Handtke, Düsseldorf
Stellv. Vorsitzender: Matz, Berlin
Geschäftsführer Schmidt, Berlin
Schatzmeister: Mohrholz, Berlin
Beisitzer: Stolle, Berlin
Beisitzer: Blumenthal, Lübeck
Beisitzer: Tilgner, Torgau

Zur Deutschen Meisterschaft hatten sich 36 Teilnehmer angemeldet. Die Vorrunde wurde an einem Tage absolviert. Die Regeln verlangten 3 mal 3 Minuten und bei Gleichheit dann eine alles entscheidende 4. Runde zu 2 Minuten. In der Endrunde wurde zu 4 mal 3 Minuten geboxt. Er gab folgende Deutsche Meister: Fliegengewicht : Friedemann, Sportingmann Altona Bantamgewicht: Schuler ( gerade 14 Jahre alt ) Freiburg Federgewicht: Netzler, BBV Leichtgewicht: Simat, BBV Weltergewicht: Strauß, Freiburg Mittelgewicht: Possehl, Stettin Halbschwergewicht: Dittmann, BBV Schwergewicht: Wagner, WABV (nach 4 Runden )

Am 24. Jan. 1920 erfolgte der Start für die erste Berliner Meisterschaft (des neu gründeten Verbandes) mit 32 Teilnehmern. Die Vorkämpfe begannen am 24. Januar. Die Endkämpfe fanden am 1. März vor ausverkauften Hause in den Residenz-Festsälen in der Landsberger Straße statt. Die Regeln legten fest, dass ein Kämpfer erst nach zwei Niederlagen ausschied. Das ist um so höher zu bewerten, da die Technik des Boxens wenig bekannt war. Schwinger waren die Hauptwaffe. Die Reklame für den Wettkampf wurde von den Funktionären und den Sportlern durch nächtliches Plakat- und Zettelkleben gestartet. Es siegten:(nach den überarbeiteten Regeln des NSC London ) Bantamgewicht : B. Müller, Heros Federgewicht Nawoczin, Heros Leichtgewicht: Ballerstädt, Weißensee 91 Weltergewicht: Kuhrts,BC 19 Mittelgewicht: Niecke, Alt Wedding Schwergewicht: Dittmann, Alt-Wedding Die Meister waren sehr beschäftigt, denn sie hatten sich in den Herausforderungskämpfen zu stellen. Typisch für die Entwicklung des Boxens in Deutschland war die Bildung von Boxsportvereinen. Sie stieg in Berlin im Verlauf der Jahre stetig an :

1921 24 Vereine
1923 34 Vereine	
1924 54 Vereine (Umbenennung des Berliner Boxverbandes am 13. Dezember 1924 in Brandenburgischer Boxverband und damit eine Vergrößerung des Einzugs- und Wirkungsbereiches)
1925 Rückgang auf 33 Vereine
1926 Anstieg auf 60 Vereine
1927 68 eigenständige Vereine 

Einen etwas anderen Weg legte der Boxsport in München zurück. Die Gebrüder Harry und Willi Götz hatten sich bereits vor dem Kriege mit dem Boxen beschäftigt. Bei Kriegsausbruch wurden sie mit anderen Deutschen auf der Insel Man interniert. Dort breitete sich der Boxsport aus. Aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, gingen sie nach München und gründeten eine Boxschule, aus der später Amateure und Berufsboxer hervorgingen. 1921 gab es in München die ersten Meisterschaften, die von folgenden Sportlern gewonnen wurden: ab Bantamgewicht : Faltermaier, Schunter, Conrad Stein, Barthel, Herrmann, Wurmdobler, Haymann 16).

Parallel dazu erfolgte die Neugründung des WAB (Westdeutscher Amateur Boxverband) am 21. August 1921 in Düsseldorf. Die Vertreter des Vorstandes unter der Leitung von A. Handtke (Düsseldorf) kamen aus Köln , Ruhrort, Krefeld, Duisburg. Zur Erleichterung und Steigerung der Leitungseffizienz erfolgte eine Gaueinteilung ( Mittelrhein, Niederrhein, Westfalen). Auf der Grundlage des DRfAB erfolgten in den Landesbezirken die Verbandsgründungen:

1920 Mitteldeutscher Amateurboxverband	
1921 Hamburger Amateurboxverband, Süd-Ost-Deutscher-Amateurboxverband (Schlesien) 

Dieser gründete sich nach einem Aufruf am 12. Mai 1921. Zur gleichen Zeit entstanden auch die Breslauer Sportvereine. 17) - 1924 bestanden bereits 24 Vereine.

In Stuttgart ist das Jahr 1920 mit der Gründung des I. Clubs für Herrenboxsport verbunden. Dort trainierten drei Abteilungen. Die Schüler für Herrenboxsport, die Amateure und die Berufsboxer. Die Aktivitäten des Amateurboxens in Deutschland in dieser Aufbauphase waren beachtenswert. So wurden folgende Wettkämpfe durchgeführt18):

124  interne Wettkämpfe
124  lokale Vergleiche
 27  nationale Veranstaltungen
  6  internationale Vergleiche 

1) Geschichte der Turnkunst, Gotha 1891
2) vgl.: Elias, E. Dunning: Sport im Zivilisationsprozess, Münster 1992, S. 10
3) vgl.: Vieth: Versuch der Enzyklopädie der Leibesübungen, Berlin 1795, S. 382
4) Wien, Leipzig 1894
5) S.165 f
6) ebenda
7) Luerssen, Artur:Boxen -Faustkampf und Fußfaustkampf zur Selbstwehr und Leibesübung, Leipzig, 1906.
8) ebenda
9) Berlin 1912
10) vgl.: G. H. Heß: Pioniere bauten den Weg, in : Boxsport Nr.817 (1934) S.12
11) Kosmopolit, J. Machalewski, Voran Verlag Berlin 1927, S.146
12) vgl.: Heß, a.a.O..
13) Vgl.: Boxsport Nr. 684
14) vgl.: Box-Sport Nr. 68/69 vom 05.01.1922, S. 9
15) vgl.:Mandlar: Der Siegeszug des Boxsports, in: Boxsport Nr.451 , vom 21.05.1929, S. 15 ff
16) Boxsport 1934, Nr. 707, S. 21
17) vgl…mein Schlesierland, in: Boxsport, Nr. 787…S. 14
18) Vgl.: Konrads, a.a.O.; S.28
gs/a/01.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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